Wirecard-Gebäude in München | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Nach Bilanzskandal Wirecard meldet Insolvenz an

Stand: 25.06.2020 12:31 Uhr

Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal will der Zahlungsdienstleister Wirecard Insolvenz anmelden. Das habe der Vorstand entschieden, teilte das Unternehmen mit.

Wirecard steht vor der Pleite: Angesichts eines 1,9 Milliarden Euro schweren Lochs in der Bilanz stellt der Zahlungsverkehrs-Anbieter Antrag auf Insolvenz. "Der Vorstand der Wirecard AG hat entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen", hieß es in einer Mitteilung. Es werde geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Wirecard-Töchter gestellt werden müssen.

An der Frankfurter Börse stürzte die Wirecard-Aktie erneut in die Tiefe: Die Papiere sackten zeitweise um weitere 80 Prozent auf 2,50 Euro ab. Seit vergangener Woche verloren sie damit mehr als 90 Prozent.

Ermittlungen gegen Ex-Chef Braun

In der Jahresbilanz von Wirecard fehlen 1,9 Milliarden Euro. Der Konzern geht davon aus, dass das Geld bei zwei philippinischen Banken gar nicht existiert. Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem vergangene Woche zurückgetretenen Wirecard-Chef Markus Braun vor, mit weiteren mutmaßlichen Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben. 

Über mögliche Bilanzmanipulationen bei Wirecard hatte die britische "Financial Times" erstmals vor über einem Jahr berichtet. Braun hatte die Berichterstattung der Zeitung über Monate als haltlos zurückgewiesen. Da es schon nach den ersten "FT"-Artikeln zu außergewöhnlichen Kursstürzen der Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse gekommen war, hatten die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft Untersuchungen eingeleitet, ob Kursmanipulationen von Börsenspekulanten dahinter steckten.

Wirecard warnte vor Kündigung von Krediten

Der Zahlungsdienstleister hatte bereits vergangene Woche gewarnt, dass das Unternehmen Kredite verlieren könnte, weil es bislang keinen Jahres -und Konzernabschluss vorlegen konnte. Die Gläubigerbanken hatten das Recht, Kredite über zwei Milliarden Euro zu kündigen, wenn das Unternehmen nicht bis zum vergangenen Freitag eine testierte Bilanz für das vergangene Jahr vorlegen könne. Doch die Wirtschaftsprüfer von EY hatten das Testat verweigert, als sich herausstellte, dass Bestätigungen über Treuhandkonten offensichtlich gefälscht waren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Juni 2020 um 11:00 Uhr.