Markus Braun in der Anhörung | dpa

Untersuchungsausschuss Wirecard-Chef Braun verweigert Aussage

Stand: 19.11.2020 15:40 Uhr

Seine Kontakte zu Politik und Behörden - dazu sollte Ex-Wirecard-Chef Braun zum Auftakt des Untersuchungsausschusses befragt werden. Doch der frühere Manager gab nur eine kurze Erklärung ab.

Der frühere Chef des Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun, hat sich in seiner Befragung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. Zu Beginn seiner Befragung verlas der frühere Vorstandsvorsitzende des insolventen Unternehmens eine Erklärung.

Demnach will er sich zunächst und vorrangig vor der Staatsanwaltschaft München I äußern. Diese ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Er vertraue auf die Unabhängigkeit der Ermittlungsbehörden, am Ende würden unabhängige Gerichte entscheiden, so Braun.

Braun will keine Hinweise auf Fehlverhalten gehabt haben

Braun verlas auch, dass er zu keiner Zeit die Feststellung getroffen oder auch nur Hinweise darauf erhalten habe, dass sich Behörden oder Aufsichtsstellen nicht korrekt, pflichtwidrig oder unlauter verhalten hätten. Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer, die "offenbar getäuscht" worden seien. 

Mehrfach antwortete Braun auf Fragen des Ausschusses, dass er sich über diese Erklärung hinaus nicht äußern werde.

Braun sitzt derzeit in Augsburg in Untersuchungshaft und war für die Zeugenbefragung nach Berlin gebracht worden. Seine Anwälte hatten beantragt, dass Braun nur per Video vernommen wird. Der Bundesgerichtshof aber hatte entschieden, dass der Ex-Manager im Bundestag erscheinen muss.

Welche Rolle spielte die Regierung?

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss soll mögliche Versäumnisse der Bundesregierung und der Behörden im Fall Wirecard aufklären. Die Abgeordneten wollten Braun daher zunächst vor allem zu seinen Kontakten zu Politik und Behörden befragen.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2020 um 16:00 Uhr.