Ex-Wirecard-Chef Braun | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/Shutterstoc

Ex-Firmenchef Braun Keine Schuld am Wirecard-Kollaps?

Stand: 19.11.2020 18:50 Uhr

Bis zum Bundesgerichtshof war Ex-Wirecard-Chef Braun gegangen, um sein Erscheinen vor dem Untersuchungsausschuss zu vermeiden - ohne Erfolg. Ertragreich war seine Vernehmung trotzdem nicht.

Von Arne Meyer-Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Als Markus Braun am Mittag an dem braunen Tisch im Sitzungssaal des Bundestags-Untersuchungsausschusses Platz nimmt, trägt er eine Schutzmaske, den für ihn typischen schwarzen Rollkragenpulli und einen dunklen Anzug. Handschellen sind nicht zu sehen. Im Vorfeld hatte es Spekulationen gegeben, der Untersuchungshäftling und frühere Wirecard-Chef könnte damit in den Saal geführt werden.

Vor ihm steht eine Wasserflasche. Mit den Händen streicht er mehrere DIN-A4-Zettel glatt. Darauf steht eine kurze Erklärung, die er wenig später verliest. Von Schmäh ist bei dem gebürtigen Wiener in diesem Moment nichts zu spüren.

Ex-Wirecard-Chef Braun verweigert Aussage im Untersuchungsausschuss
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.11.2020, Moritz Rödle, ARD Berlin

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Brauns Anwälte versuchten Erscheinen zu verhindern

Seit dem Zusammenbruch der Wirecard AG ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen Braun sowie gegen weitere frühere Wirecard-Vorstände und Führungskräfte - unter anderem wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, der Untreue und der Marktmanipulation. Im Bundestag geht ein Untersuchungsausschuss dem Finanzskandal auf den Grund.

Gemeinsam mit seinen Anwälten hatte Braun versucht, sein persönliches Erscheinen vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin mit allen juristischen Mitteln zu verhindern - bis zum Bundesgerichtshof. Als Begründung, so der BGH, habe Braun die "unverhältnismäßigen Gesundheitsrisiken im Hinblick auf das Coronavirus" angeführt, am Ende erfolglos.

 "Gerichte werden klären, wer Verantwortung trägt"

Als der langjährige Vorstandschef der Wirecard AG zu sprechen beginnt, klingt er etwas heiser: "Mein Name ist Markus Braun, ich bin 51 Jahres alt, ich wohne derzeit in der JVA Augsburg, und ich bin Wirtschaftsinformatiker", sagt er zu Beginn, um sich danach den momentan laufenden Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft zu widmen.

"Ich vertraue in die Unabhängigkeit und Objektivität der Ermittlungsbehörden. Ich vertraue insbesondere drauf, dass die Staatsanwaltschaft München I den verfahrensrelevanten Sachverhalt umfangreich aufklären wird. Und damit meine ich auch und besonders den Verbleib der veruntreuten Unternehmensgelder." Der entscheidende Satz folgt danach: "Am Ende werden unabhängige Gerichte entscheiden, wer die Verantwortung für den Zusammenbruch der Wirecard AG trägt."

Damit lässt er durchklingen, dass Braun die Verantwortung für den Kollaps des Wirecard-Konzerns nicht bei sich sieht. Das Unternehmen hatte am 25. Juni 2020 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet - in erster Linie, weil 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten auf den Philippinen liegen sollten, dort offenbar nie vorhanden gewesen sind.

Braun will mit der Staatsanwaltschaft kooperieren

Braun kündigt zudem an, dass er mit der Staatsanwaltschaft München kooperieren möchte. Deswegen werde er sich im Untersuchungsausschuss nicht weiter zu allen Sachverhalten äußern, betont er. Weiter führt Braun in seiner Erklärung aus, dass er bei Politik und Aufsichtsbehörden kein Versagen im Zusammenhang mit dem Wirecard-Zusammenbruch sieht. "Ich habe zu keiner Zeit Hinweise darauf erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder unlauter verhalten hätten", so Braun.

Das gelte explizit auch für den Aufsichtsrat des Unternehmens als Kontrollorgan. Bei den Wirtschaftsprüfern von Ernst und Young (EY) sieht Braun ebenfalls kein Verschulden. Die seien "offenbar massiv getäuscht worden", betont er, ohne konkreter zu werden. EY hatte seit mehr als zehn Jahren die Bilanzen von Wirecard geprüft und erst für das Geschäftsjahr 2019 ein Testat verweigert. Nachdem sich Bankbelege über für die Treuhandkonten auf den Philippinen sich als gefälscht erwiesen hatten, fiel das Kartenhaus aus womöglich erfundenen Umsätzen und Fake-Geschäften im Juni dieses Jahres zusammen.

Keine Antworten auf zahlreiche Fragen

"Was sagen Sie den Anlegern, die Millionen verloren haben?",  "Haben Sie Fehler gemacht?", "Ist Ihnen bewusst, dass Sie dem Wirtschaftsstandort Deutschland schweren Schaden zugefügt und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen schwer beschädigt haben?" - Fast zwei Stunden versuchen die Parlamentarier nach der Verlesung der Erklärung Antworten von Braun auf diese und andere Fragen zu erhalten. Aber der sagt stets denselben Satz: "Ich berufe mich auf mein Zeugnisverweigerungsrecht."

Immerhin bietet Braun an, sich nach einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft München I nochmal dem Untersuchungsausschuss zu stellen. "Dann aber hoffentlich kooperationswilliger", gibt ihm der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk von der AfD mit auf dem Weg. CDU-Politiker Matthias Hauer macht seinem Ärger über Brauns Schweigen noch während der Befragung Luft: "Sie lassen jedweden Respekt gegenüber dem Parlament vermissen", sagt er.

Fabio De Masi von der Linken macht Braun kurz vor Schluss noch ein Angebot. Er will ihm ein gerade erschienenes Buch über den Wirecard-Skandal mitgeben. "Brauchen Sie Lesestoff in der Haftanstalt?", fragt De Masi ihn. "Ich brauche keine Literatur. Dankeschön", antwortet Braun kühl. Dann ist er weg. Bis zum späten Abend will der Ausschuss weitere Zeugen befragen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. November 2020 um 20:00 Uhr.

Korrespondent

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Arne Meyer-Fünffinger, BR

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