Bauarbeiter auf einem Gerüst | dpa

Nach Krisenjahr 2020 2021 verspricht Besserung

Stand: 14.01.2021 16:05 Uhr

Die Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft in die zweitschwerste Rezession der Nachkriegszeit gestürzt. Doch es hätte noch schlimmer kommen können. Und das laufende Jahr verspricht Besserung.

Laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts ist die deutsche Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent eingebrochen. Kalenderbereinigt ergab sich sogar ein Einbruch von 5,3 Prozent. Stärker war die Wirtschaft nur während der globalen Finanzkrise 2009 geschrumpft, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,7 Prozent sank.

Dass es nicht noch schlimmer gekommen ist, führt der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, auf die gestiegenen Staatsausgaben (plus 3,4 Prozent) sowie die Bauwirtschaft (plus 1,5 Prozent) zurück.

Anfängliche Befürchtungen waren noch schlimmer

Dagegen sind die deutschen Exporte um 9,9 Prozent geschrumpft, und die Unternehmen investierten mit 12,5 Prozent spürbar weniger. Auch die Verbraucher reduzierten ihre Ausgaben um sechs Prozent. Deutlich besser als befürchtet ist nur das verarbeitende Gewerbe durch die Krise gekommen.

Massive Einbrüche von bis zu 90 Prozent gab es etwa in der Luftfahrt, im Tourismus und im Gastgewerbe. Aber auch die Messebranche und viele andere Wirtschaftszweige gerieten ins Abseits. "Eigentlich ein Katastrophenjahr - aber gemessen an den zwischenzeitlichen Befürchtungen könnte man sagen, dass wir noch glimpflich davon gekommen sind", erklärte LBBW-Chefökonom Uwe Burkert.

Peter Altmaier zeigt sich optimistisch

Und wie geht es nun weiter? Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaft trotz der andauernden Corona-Pandemie in diesem Jahr wieder auf Wachstumskurs einschwenkt. "Die Wirtschaft wird sich in diesem Jahr erholen, es wird ein Aufschwungjahr sein", sagte der CDU-Politiker in einer Live-Schalte auf dem digitalen "Handelsblatt"-Energiegipfel. Im vergangenen Jahr sei ein wichtiger Wendepunkt erreicht worden, sagte Altmaier.

Tatsächlich hat die deutsche Industrie zuletzt ihre Erholung nach dem starken Einbruch vom Frühjahr fortgesetzt. So legte die Produktion im November gegenüber dem Oktober um 1,2 Prozent zu. Die Auftragsbücher sind bereits jetzt dicker als vor Beginn der Corona-Krise im Februar 2020, dank der Nachfrage außerhalb Europas. Vor allem die Konjunkturerholung Chinas sorgt zwar für Unterstützung.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier bei einer Veranstaltung in Berlin. | REUTERS

Bundeswirtschaftsminister Altmaier ist zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft in diesem Jahr wieder erholt. Bild: REUTERS

Industrie ist wichtige Stütze

Zugute kommt der heimischen Wirtschaft auch der im europäischen Vergleich hohe Anteil der Industrie an der Wertschöpfung. Er lag 2019 bei 24 Prozent - fast doppelt so hoch wie in den beiden anderen großen Volkswirtschaften Europas: In Frankreich und Großbritannien beträgt er nur jeweils 13 Prozent. Somit sind Länder mit einem hohen Dienstleistungssektor, der von den Corona-Einschränkungen besonders hart getroffen wurde, auch tiefer in die Krise gerutscht als Deutschland.

Für das laufende erste Quartal 2021 rechnen die Ökonomen noch immer mit einem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung, aber nicht mit einem neuen massiven Einbruch - solange die Lieferketten in der Industrie nicht unterbrochen werden. "Auch bei einem Andauern des Lockdowns über Ende Januar hinaus ist weiter damit zu rechnen, dass sich die Wirtschaft ab dem zweiten Quartal kräftig erholt und ein kräftiges Wachstum im Gesamtjahr erreicht", betont Sebastian Dullien, Direktor das Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, IMK.

Wachstum von vier Prozent angepeilt

Grund hierfür seien massive Nachholeffekte bei Konsum, Ausrüstungsinvestitionen und den Exporten. Beim Konsum spiele eine Rolle, dass die Deutschen 2020 nach IMK-Schätzung etwa 100 Milliarden Euro mehr gespart haben als in normalen Jahren. Mit fallender Sparquote werde der Konsum deutlich anziehen. Dullien rechnet für das Gesamtjahr 2021 mit einem Wirtschaftswachstum von deutlich über vier Prozent.

Ähnlich optimistisch äußert sich der Industrieverband BDI. Entscheidend dürfte sein, wie sich das Impfen entwickelt und ob Lockerungen der Corona-Maßnahmen für weniger Unsicherheit bei Firmen und Verbrauchern sorgen. Aber ein Plus von vier Prozent sei in diesem Jahr möglich.

Containerschiffe und Kräne im Hamburger Hafen. | dpa

Bild: dpa

Neben einem deutlichen Plus des privaten Konsums dürften auch Bereiche, die bis dahin nicht oder nur sehr eingeschränkt aktiv waren (Großveranstaltungen, Messen und Freizeitevents), für zusätzliche Dynamik sorgen. All dies könnte dazu beitragen, dass das BIP bereits Ende 2021 wieder sein Vorkrisenniveau erreichen wird.

Auch wieder Haushaltsdefizit

Erstmals seit 2011 verzeichnete Deutschland im letzten Jahr auch wieder ein Haushaltsdefizit. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen gaben nach Angaben der Wiesbadener Behörde im vergangenen Jahr 158,2 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit bei 4,8 Prozent. Das war zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekordminus des Jahres 1995, in dem die Schulden der Treuhand in den Staatshaushalt übernommen wurden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 14. Januar 2021 um 15:00 Uhr.