Motorblock eines VW-Dieselfahrzeugs | Bildquelle: picture alliance / Patrick Pleul

Ermittlungen gegen Ex-VW-Chef Neue Aussagen belasten Winterkorn

Stand: 04.05.2018 18:00 Uhr

Weitere hochrangige VW-Mitarbeiter haben Ex-Vorstandschef Winterkorn belastet. Nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" erhärten sie den Verdacht, dass Winterkorn früh vom Abgasbetrug wusste.

Von Stephan Wels, NDR und Georg Mascolo, NDR/WDR

In den Ermittlungsverfahren, die die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Martin Winterkorn führt, hat sich die Beweislage gegen den ehemaligen VW-Vorstandsvorsitzenden nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" erhärtet. Bekannt war bislang, dass zwei VW-Manager, die bei der amerikanischen Justiz Kronzeugenstatus genießen, angegeben haben, Winterkorn in einer Sitzung am 27. Juli 2015 detailliert über die Betrugssoftware informiert zu haben.

Winterkorn hat bislang immer behauptet, erst im September 2015, also kurz bevor der Betrug in den USA öffentlich wurde, von der illegalen Software erfahren zu haben.

Mittlerweile gibt es nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" weitere Aussagen hochrangiger VW-Mitarbeiter, die die Darstellung stützen, dass Winterkorn spätestens an diesem 27. Juli , beim sogenannten "Schadentisch", über die Betrugssoftware Bescheid wusste. Bereits am Vorabend des Treffens will ein hochrangiger Manager in einem Telefonat Winterkorn mitgeteilt haben, dass VW in den USA "beschissen" habe.

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn | Bildquelle: dpa
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Winterkorn will erst im Spätsommer vom Abgasbetrug in den USA erfahren haben.

Beratungen mit VW-Jurist?

Nach Recherchen von NDR, WDR und "SZ" soll sich Winterkorn an jenem Tag darüber hinaus mit einem VW-Juristen beraten haben. Auch dieser will dem damaligen Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt haben, dass die von den US-Behörden untersuchte Software eine illegale Testerkennung, ein so genanntes "Defeat Device" sei.

Bei dem Gespräch habe man darüber gesprochen, wie der Schaden für das Unternehmen noch abgewendet werden könne. Strafzahlungen seien dabei aber nicht diskutiert worden. Allerdings hatte der Jurist nach eigenen Angaben bereits Tage vorher mit den Entwicklern der Betrugssoftware über mögliche Strafen diskutiert. Dabei soll von Geldbußen bis zu 35.000 US-Dollar pro Fahrzeug die Rede gewesen sein.

Auch über die Details der Software soll Winterkorn Kenntnis gehabt haben. Am 28. August - und damit drei Wochen bevor der Betrug öffentlich wurde - habe der Jurist den VW-Entwicklungschef angerufen, behauptet er. In Anwesenheit der Techniker, die eine Präsentation der illegalen Software für die US-Behörde vorbereiteten hätten, habe er den Entwicklungschef gefragt, ob Winterkorn die Details der Software kenne. Dieser habe mit "ja" geantwortet. Anschließend sei das Gespräch beendet gewesen.

Winterkorns Anwalt schweigt

Winterkorns Anwalt Felix Dörr erklärte auf Anfrage, er könne sich zu der Aussage des VW-Juristen nicht äußern, da ihm eine solche Vernehmung nicht vorliege. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig habe bisher nur in sehr geringem Umfang Einsicht in die Ermittlungsakten gewährt. "Wir kennen bislang keine Vernehmungen."

Beweislage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn erhärtet sich
Peter Hornung, NDR
04.05.2018 16:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Mai 2018 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

Georg Mascolo, NDR | Bildquelle: picture alliance / dpa Logo NDR/WDR

Georg Mascolo, NDR/WDR

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