Wilke-Anhänger | Bildquelle: dpa

Abschlussbericht zum Wurst-Skandal Wilke wurde zu selten kontrolliert

Stand: 18.11.2019 13:40 Uhr

Drei Menschen starben durch Schimmelwurst und vergammelte Fleischprodukte von Wilke. Nun hat die hessische Verbraucherschutzministerin ihren Abschlussbericht vorgelegt - und beschuldigt den Landkreis.

Das hessische Verbraucherschutzministerium hat seinen Abschlussbericht zum Listerien-Skandal beim Wursthersteller Wilke vorgelegt. Darin wirft es dem Unternehmen vor, "mit krimineller Energie gearbeitet" zu haben.

Beim für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landkreis stellt der Bericht schwere Versäumnisse fest. Demnach hätte Wilke planmäßig zwölfmal im Jahr vom Landkreis Waldeck-Frankenberg kontrolliert werden müssen. "Aufgrund eines Fehlers des Landkreises ist die Firma Wilke auf ein dreimonatiges Kontrollintervall herabgesetzt worden", heißt es in dem Bericht.

Das war laut Ministerium nicht der einzige Fehler: So sei bei einer Betriebsgröße wie bei Wilke eine regelmäßige Überprüfung aller Betriebsräume nötig. "Die vorgelegten Kontrollberichte aus dem Jahr 2018 sagen aus, dass Kontrollen jeweils nur in verschiedenen Bereichen des Betriebes stattgefunden haben, schwerwiegende Mängel werden in diesen Berichten nicht erwähnt."

"Wir lernen aus dieser Tatsache"

"Solche Risikobetriebe müssten künftig monatlich kontrolliert werden", kündigte die zuständige Ministerin Priska Hinz (Grüne) an. Sie bekräftigte ihre Ankündigung, Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen, unter anderem soll die Lebensmittelsicherheit durch drei zusätzliche Stellen im Ministerium und acht in den Regierungspräsidien verbessert werden. Wegen der Aufarbeitung des Falls steht auch Hinz in der Kritik.

Anfang Oktober war der Fleischhersteller Wilke geschlossen worden, nachdem wiederholt Listerien-Keime in seinen Produkten entdeckt worden waren. Sie können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Von den gravierenden Mängeln bei Wilke habe ihr Ministerium erst im August erfahren, sagte Hinz. Das sei zu spät gewesen. "Wir lernen aus dieser Tatsache."

Foodwatch fordert Offenlegung aller Berichte

"Die Aufarbeitung des Wilke-Skandals ist alles andere als abgeschlossen", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker vor der Vorstellung des Berichts. Er fordert eine Offenlegung aller relevanten Berichte, damit sich die Öffentlichkeit selbst ein Bild machen könne. Laut Foodwatch hat der Fall Wilke einmal mehr die Schwachstellen des Kontrollsystems für Lebensmittel und der gesetzlichen Grundlagen gezeigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2019 um 14:00 Uhr.

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