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Wertvollste Unternehmen Deutsche Konzerne abgehängt

Stand: 05.01.2021 09:13 Uhr

In der Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt spielten deutsche Firmen 2020 nur noch eine untergeordnete Rolle - im Gegensatz zu Konzernen aus den USA und Asien, die weiter aufholten.

Durch die Corona-Pandemie ist die ohnehin schon wachstumsschwache europäische Wirtschaft weiter ins Hintertreffen geraten. Entsprechend spielen die hiesigen Unternehmen im weltweiten Vergleich der wertvollsten börsennotierten Firmen praktisch keine Rolle mehr. Allein 59 (2019: 56) der 100 wertvollsten Konzerne der Welt kommen inzwischen aus den USA, 15 (im Vorjahr 13) aus China und Hongkong.

Mit SAP ist erstmals nur noch ein deutscher Konzern unter den 100 wertvollsten Unternehmen, wie aus Berechnungen der Unternehmensberatung EY und von Reuters hervorgeht. Danach rangiert der Walldorfer Softwarekonzern auf Rang 71 mit einem Börsenwert von 160 Milliarden Dollar am 30.12.2020. Das Unternehmen rutschte im Vergleich zum Vorjahr 21 Plätze ab. Siemens, vor einem Jahr noch auf Rang 100, ist trotz eines Kurszuwachses von zehn Prozent mit einer Marktkapitalisierung von 122 Milliarden Dollar aus der Liga der 100 teuersten Unternehmen der Welt herausgefallen.

SAP

Mit dem Walldorfer Softwarekonzern SAP ist erstmals nur noch ein deutscher Konzern unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt.

VW gerade mal auf Platz 129

Die Nummer zwei im deutschen Leitindex DAX, der Gaskonzern Linde, hält zwar mit 136 Milliarden Dollar Platz 86, hat seinen Firmensitz aber in Irland und wird aus den USA gesteuert. T-Mobile US rangiert auf Platz 61 und wird mit 165 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch bewertet wie der Mutterkonzern, die Deutsche Telekom.

Für Deutschlands größten Industriekonzern, den Autohersteller Volkswagen, reicht es gerade einmal für Platz 129 - bei einem Börsenwert von knapp 100 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 war VW noch als 114. ins Ziel gegangen. Unter die Top 300 haben es zum Jahresende insgesamt noch 13 deutsche Unternehmen geschafft.

Apple löst Saudi Aramco ab

Überraschend ist das nicht, denn im Gegensatz zu den klassischen Industriefirmen, Vertreter der sogenannten "Old Economy", sind die Internet- und Technologiekonzerne gestärkt aus der Krise gekommen.

Das zeigt sich auch am iPhone-Hersteller Apple. Mit fast 2,3 Billionen Dollar ist der kalifornische Konzern wieder das wertvollste Unternehmen der Welt. Die Aktie hat 2020 um 77 Prozent zugelegt und damit den Ölkonzern Saudi Aramco an der Spitze des Börsen-Rankings abgelöst. Dessen Wert ist letztes Jahr um acht Prozent auf 1,5 Billionen Dollar gefallen.

Techwerte aus USA und China dominieren

Neben Apple kommen insgesamt sieben der höchstbewerteten Unternehmen weltweit aus dem Technologiesektor, vier von ihnen erreichen einen Billionen-Marktwert. Neben Apple sind das Microsoft (1,7 Billionen Dollar), Amazon (1,67 Billionen) und die Google-Mutter Alphabet (1,19 Billionen). Neben den bekannten US-Firmen gehören auch die chinesischen Techfirmen Tencent (weltweit die Nummer sieben mit einem Börsenwert von 581 Milliarden Dollar) und Alibaba (weltweit die Nummer acht mit einem Börsenwert von 579 Milliarden Dollar) zu den zehn wertvollsten Konzernen der Welt.

Senkrechtstarter des Jahres ist der US-Elektroauto-Bauer Tesla, dessen Wert sich auf 631 Milliarden Dollar verachtfachte und das Unternehmen auf Platz neun der wertvollsten Konzerne katapultierte. Zum Vergleich: Toyota, der schwerste der traditionellen Autokonzerne, kommt mit 215 Milliarden Dollar auf gut ein Drittel.

Tesla-Werk in Fremont | picture alliance / San Jose Merc

Das Werk von Tesla in Freemont (Kalifornien). Der E-Autobauer hat es 2020 mit einem Börsenwert von 631 Milliarden Dollar auf Platz neun der wertvollsten Unternehmen der Welt geschafft. Bild: picture alliance / San Jose Merc

TSMC und Kweichow Mutai wertvoller als Nestlé und Daimler

Die neue Rangliste zeigt auch, dass sich die Konzentration an den Weltbörsen weiter beschleunigt hat: So werden die Top Ten zusammen mit rund zwölf Billionen Dollar bewertet - 24 Prozent mehr als Ende 2019. Bemerkenswert auch: Das teuerste Unternehmen aus der Finanzbranche ist keine traditionelle Bank mehr, sondern der Kreditkartenanbieter Visa, der an JPMorgan vorbeizog und mit 501 Milliarden Dollar jetzt gut 100 Milliarden mehr wert ist als die US-Investmentbank. Von den Börsenneulingen des Jahres findet sich mit dem Zimmervermittler AirBnB der erste auf Platz 149.

Nach oben geschossen, von Platz 21 im Jahr 2019 auf Platz zwölf, ist zudem eine Firma, die den meisten Menschen wohl völlig unbekannt sein dürfte: TSMC oder Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. Dabei handelt es sich um den nach Intel und Samsung weltweit drittgrößten Halbleiterhersteller und den nach eigenen Angaben weltweit größten Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte. TSMC ist 385 Milliarden Dollar wert, wurde aber erst 1987 gegründet.

Zu den Aufsteigern des vergangenen Jahres gehört auch ein chinesischer Branntweinhersteller, Kweichow Mutai, der es auf Platz 17 der wertvollsten Unternehmen der Welt schaffte und mit 296 Milliarden Dollar noch wertvoller ist als der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble.