Weltwirtschaftforum

Weltwirtschaftsforum im Zeichen der Wirtschaftskrise Diesmal mehr als Amüsement?

Stand: 28.01.2009 17:02 Uhr

Die Elite aus Politik und Wirtschaft trifft sich in Davos - und ist dort vor allem mit einer Frage konfrontiert: Warum wurde die drohende Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr nicht abgewendet? Wirklich beantworten will das keiner. Aber klar ist: In diesem Jahr gilt ein anderes Credo in Davos.

Von Pascal Lechler, ARD-Studio Genf, zzt. Davos

Klaus Schwab
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Will rechtzeitig gewarnt haben: WEF-Gründer Schwab.

Hätte Davos nicht schon im vergangenen Jahr die drohende Wirtschaftskrise abwenden können? Klaus Schwab, der Macher des Weltwirtschaftsforums (WEF), wird in diesen Tagen nicht müde zu betonen, dass auch er zu den Warnenden gezählt hatte. Das Weltwirtschaftsforum hätte bereits im vergangenen Jahr in seinem "Global Risk Report" auf die Risiken einer Krise des Finanzsystems hingewiesen.

"Das ist eine Kollektivschuld"

Außerdem hätten Redner Anfang 2008 in Davos die Zeichen an die Wand gemalt. "Trotzdem - und das ist eine Kollektivschuld - sind wir in diese Krise relativ ohne Vorbereitung hineingerannt", so Schwab. Ein Grund sei, dass es einfach noch kein System gebe, "um eine solche Krise zu verhindern und dann, wenn sie ausbricht, recht schnell mit ihr fertig zu werden."

"Aus diesem Davos eine Chance zu machen"

Michael Hüther, der Chef des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft IW, räumt ein, dass sich die Krise vor einem Jahr noch anders dargestellt habe. Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hätte sich das Risikoumfeld nochmal fundamental verändert. Der Fall Lehman habe eine Lawine losgetreten. Erst dann sei in der angelsächsischen Welt die Einsicht gereift, dass regulative Eingriffe notwendig seien. Man könne sich fragen, ob die Akteure nicht ein bisschen mehr hätten erahnen können, so Hüther. "Aber es ist wohl immer so, dass wir im Nachhinein klüger sind." Krisen vorherzusehen, sei noch nie gelungen. "Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen und deshalb dann aus diesem Davos 2009 auch eine Chance zu machen."

Nur in Davos, um sich zu amüsieren?

Es kommt selten vor, dass Klaus Schwab mit den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums hart ins Gericht geht. In einem Zeitungsinterview mit dem Zürcher "Tagesanzeiger" war ihm dann aber wohl doch vor ein paar Wochen die Hutschnur geplatzt. Statt sich mit der Gefahr einer globalen Kreditkrise auseinanderzusetzen, seien die Topbanker im vergangenen Jahr nur nach Davos gekommen, um sich zu amüsieren.

"Das hat sich niemand vorstellen können"

Ein WEF-Schild wird poliert
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Auf Hochglanz poliert, aber diesmal mit anderem Credo: Das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der Chef der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers Deutschland, Hans Wagener, nimmt die arg Gescholtenen in Schutz: "Das hat sich niemand vorstellen können, dass einzelne oder eine Verkettung von mehreren Vorgängen am Finanzmarkt, zu einem solchen tiefen Vertrauensverlust führen", so Wagener. Niemand habe das vorhersehen können, auch die Manager nicht. Es gebe auch nicht eine singuläre Ursache: "Da kann man nicht einen für verantwortlich machen. Das sind ganze Bündel von Maßnahmen, die dazu geführt haben."

Auf jeden Fall wird es in diesem Jahr in Davos weniger Partys geben - Weißwein statt Champagner heißt das Credo. Banker und andere Manager werden also nicht mehr so leicht von den drückenden Wirtschaftsproblemen abgelenkt werden können.

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