Eine Frau mit Gesichtsmaske gegen die Ausbreitung des Coronavirus geht die Promenade in Marina Bay in Singapur entlang. | AFP

Weltwirtschaftsforum in Singapur Hochhausdschungel statt Schneeberge

Stand: 28.01.2021 09:06 Uhr

Das Weltwirtschaftsforum findet wegen der Corona-Krise derzeit nur virtuell statt. Im Mai soll das weltweit wichtigste Treffen von Politik und Wirtschaft nachgeholt werden - allerdings nicht in Davos, sondern in Singapur.

ORIVon Lena Bodewein,  ARD-Studio Singapur

Die Nationalhymne dröhnt aus den Fernsehern, zuhause im kleinen Kreise singen die Menschen: "Vorwärts, Singapur!", während sie auf den Bildschirmen sehen, wie ihre Präsidentin und ihr Premierminister brav hinter Mund-Nase-Schutz verborgen mitsummen. Auf der Bühne wird mit viel Abstand getanzt, und statt eine große Parade abzuhalten, fahren Panzer, Löschboote und andere Militärfahrzeuge stolz zu Mini-Paraden in die Vororte. So beging Singapur im August seinen Nationalfeiertag unter strengen Corona-Auflagen.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Zwei Monate harter Lockdown, seit Juni permanente Kontaktbeschränkungen, dauernde Maskenpflicht, strenge Quarantäne bei Wiedereinreise, all das haben die Menschen in Singapur hinter sich gebracht, die Covid19-Infektionen laufen gegen Null. Es gab weltweites Lob für die Handhabung der Pandemie und nun auch den Ruhm, das wichtigste Wirtschaftstreffen der Welt austragen zu dürfen: Das Weltwirtschaftsforum kommt von den schneebedeckten Gipfeln von Davos in die sonnigen Straßen von Singapur.

Geplant ist der 25. Mai

"Wir freuen uns sehr darauf, uns in Singapur persönlich treffen zu können", betont auch Borge Brende, der Präsident des Weltwirtschaftsforums. "Wir planen den Start des Treffens für den 25. Mai und wir verzeichnen schon viel Interesse von wichtigen Politikern, aber auch von Wirtschaftsführern."

Schon im Herbst war die Entscheidung gefallen, das Treffen in Davos zunächst innerhalb der Schweiz zu verlegen, aber weil die Pandemie in dem Land außer Kontrolle geraten war, verlegten die Organisatoren es schließlich nach Asien. Es ist das erste Mal, dass dieser Gipfel von Wirtschafts- und Politikelite auf den Kontinent kommt. Singapur, auch als Schweiz Asiens bekannt, soll Treffpunkt für höchstrangige Politiker werden, vielleicht sogar für den neuen US-Präsidenten.

WEF-Präsident Brende | LAURENT GILLIERON/EPA-EFE/REX

"Wir freuen uns schon auf persönliche Treffen". Der Präsident des Weltwirtschaftsforums hofft, dass das Treffen in Singapur stattfinden kann. Bild: LAURENT GILLIERON/EPA-EFE/REX

Auch Brende gibt sich zuversichtlich, dass das Treffen ein Erfolg werden könnte: "Natürlich immer vorausgesetzt, dass Gesundheit und Sicherheit unserer Teilnehmer garantiert sind." Es gebe eine sehr sehr gute Kooperation mit der Regierung Singapurs. "Wie wir alle wissen, ist das auch eine der Regierungen, die die Covid-Krise am besten gehandhabt haben", betont der Präsident des Weltwirtschaftsforums.

Corona-Erfolg mit Ansage

Und es war in der Tat ein Erfolg mit Ansage: Ende Januar 2020 sagte Singapurs Ministerpräsident Lee Sien Loong, ausgerechnet in Davos, dass sein Land sehr viel besser darauf vorbereitet sei, mit einem Virusausbruch umzugehen als andere Länder. Denn seit der SARS-Epidemie von 2003 habe sich der Stadtstaat dafür gewappnet.

Eine Familie läuft mit Atemschutzmasken vor dem Gesicht durch ein Einkaufszentrum in Singapur. | HOW HWEE YOUNG/EPA-EFE/Shutterst

Lehren aus der SARS-Epidemie - im Stadtstaat Singapur wurde schnell und konsequent auf den Corona-Ausbruch reagiert. Bild: HOW HWEE YOUNG/EPA-EFE/Shutterst

Wo und wie das Treffen stattfinden soll, arbeiten die Organisatoren gemeinsam mit der Singapurer Seite noch aus. Womöglich wird das Hotel Marina Bay Sands mit seinem ikonischen schiffartigen Dach der Standort sein, vielleicht aber auch ein neu errichteter Komplex in Flughafennähe. Das würde es erleichtern, die schätzungsweise Tausend Teilnehmer vom Rest der Bevölkerung fernzuhalten. Nach der Ankunft am Flughafen könnten sie in den dortigen Hotels und Tagungsräumen abgesondert werden, vielleicht immer durch Plexiglas in kleinen Besprechungsecken getrennt.

"Netzwerken ist unabdingbar"

Ideal wäre das nicht, aber wichtig, meint der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab: "Netzwerken ist unabdingbar, und die Kontakte von Person zu Person sind wichtig, um eine höhere Vertrauensebene zu schaffen. Darum wollen wir unser digitales Davos-Treffen mit dem Singapurer Treffen ergänzen."

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un und US-Präsident Trump sitzen nebeneinander am Tisch. | AFP

Singapur als Vermittler zwischen West und Ost - wie hier beim Gipfel von Trump und Kim (Archiv). Bild: AFP

Schaltstelle zwischen Ost und West

Singapur gibt mit seinen glitzernden Glasfassaden von Banken und Finanzhäusern, mit seinem Ruf der technischen Perfektion und mit einem großen Heer an Dienstleistern gerne den Gastgeber für große Ereignisse. Ein ganzer Sektor mit der vielsagenden Abkürzung MICE, wie Mäuse, steht für Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions. Für diese Tagungswirtschaft erhofft sich der Stadtstaat auch finanzielle Anreize durch das "Davos in Asien".

Vor allem aber sieht sich das südostasiatische Land als Schaltstelle zwischen Ost und West und schmückt sich gerne als Kuppler - wie schon einmal, als der damalige US-Präsident Trump sein Rendezvous mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un feierte.

Über dieses Thema berichtete B5 Wirtschaft und Börse am 27.Januar 2021 um 15:38 Uhr.