Containerschiffe liegen im nächtlich beleuchteten Containerterminal des Hafens von Qingdao. | dpa

Risiko für DAX-Konzerne Die Angst vorm China-Taiwan-Konflikt

Stand: 10.08.2022 10:11 Uhr

China und Taiwan gehören zu Deutschlands wichtigsten Handelspartnern. Nun fürchten die DAX-Konzerne eine weitere Verschärfung des Konfliktes der beiden Länder.

Von Victor Gojdka, ARD-Finanzredaktion

Die chinesischen Manöver im Luftraum über Taiwan sorgen auch in deutschen Konzernen für Aufregung. Denn ohne China gehe in der deutschen Wirtschaft fast nichts mehr, sagt Ingo Beyer von Morgenstern, Fondsmanager und Chinaeexperte bei Qilin Capital: "Interessant ist, dass fast 20 Prozent des Umsatzes aller DAX-Unternehmen in China gemacht werden. Es sind alle Unternehmen betroffen. Ganz besonders betroffen sind aber natürlich VW, BMW, Daimler und auch Adidas."

Schon die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt: Sie alle hängen am Riesenreich. Wenn Handelskriege Zölle bringen, wenn Häfen plötzlich dicht sind, spüren die DAX-Konzerne das sofort. Oder: Wenn sich - wie aktuell - die chinesische Wirtschaftslage eintrübt, sagt Chinaprofessor Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance and Management: "Die Schwäche der chinesischen Volkswirtschaft aufgrund der Lockdowns, der Immobilienkrise und Querelen in Taiwan heben die Stimmung nicht." Diese Schwäche Chinas könne auch für viele Unternehmen zum Risiko werden.

DAX-Konzerne müssen umdenken

Besonders der Konflikt mit Taiwan ist heikel. Manche Experten glauben an heftige Wirtschaftssanktionen der USA gegen die Volksrepublik, sollte die Lage um Taiwan eskalieren. Ein solcher Wirtschaftskrieg mit China könnte Deutschland sechsmal so viel kosten wie der Brexit, schätzt das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut ifo.

Die DAX-Manager müssten daher schleunigst umdenken, meint China-Experte Ingo Beyer von Morgenstern: "Die deutschen Firmen werden in Zukunft den Umsatz- und Ertragsanteil, den sie heute mit China machen, in großem Umfang nicht mehr machen. Das bedeutet, dass der Großteil der DAX-Konzerne eine neue Global- und Regionalstrategie braucht. Und wer das nicht entwickelt, wird ein böses Erwachen erleben."

Anfang vom Ende der Globalisierung

Denn Deutschland könnte sich in der Zukunft entscheiden müssen: lieber Geschäfte mit China machen oder mit den USA? Zumal es erklärtes Ziel der Pekinger Führung ist, ihr Land mittelfristig vom Westen unabhängig zu machen. Umgekehrt versuchen das jetzt auch manche deutsche Firmen, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: "Aus den Gesprächen hört man, dass das alle Unternehmen umtreibt. Ein Drittel der Unternehmen sagt ja auch schon, dass sie Produktion nach Europa zurückholen wollen, nach Deutschland oder sogar ins eigene Unternehmen."

Erste Projekte laufen bereits: VW will eine eigene Batteriezellfertigung in Europa hochziehen, in Mönchengladbach will C&A die Textilproduktion wieder stark machen. Manche Experten nennen das bereits den Anfang vom Ende der Globalisierung.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 07. August 2022 um 22:00 Uhr.