Xi Jinping | dpa

Weltwirtschaftsforum virtuell Chinas Präsident Xi wirbt für Zusammenarbeit

Stand: 25.01.2021 18:45 Uhr

Chinas Präsident Xi hat in einer Rede beim virtuellen Weltwirtschaftsforum für den Abbau von Handelsbarrieren und mehr Austausch plädiert. Dabei ist sein Land nicht gerade ein Musterbeispiel, wenn es um Kooperation geht.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Skifahrer stapfen durch die Straßen von Davos, wo sich in anderen Jahren während des Weltwirtschaftsforums Limousinen und Shuttlebusse stauten, um die rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins hermetisch abgeschirmte Kongresszentrum zu bringen. Doch statt Ausnahmezustand herrsche in Davos derzeit Flaute, erklärt Tourismusdirektor Reto Branschi im Interview mit der Agentur Reuters: "Es ist leer. Im Normalfall wären jetzt hier alle Hotels belegt. Auch die Ferienwohnungen wären belegt."

Dietrich Karl Mäurer ARD-Studio Zürich

Wegen der Corona-Krise wurde das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr auf Ende Mai verschoben nach Singapur. Dennoch sollte der angestammte Januar-Termin nicht ganz ohne Veranstaltung verstreichen, so der Wunsch des Gründers des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Rein virtuell diskutieren nun unter dem Titel "Davos Agenda" Politiker, Top-Manager und Vertreter der Zivilgesellschaft über Wege aus der Pandemie.

Schwab: "Die Menschheit läuft Gefahr zugrunde zu gehen"

Mit viel Pathos richtete sich Klaus Schwab an die Online-Gemeinde: "Die Polarisierung hat ein Zeitalter der Uneinigkeit geschaffen, in dem die Menschheit Gefahr läuft zugrunde zu gehen. Jetzt müssen wir zusammenkommen, den Moment nutzen und in ein Zeitalter der Zusammenarbeit starten, um eine bessere Welt aufzubauen."

Der erste große Redner des virtuellen Weltwirtschaftsforums ist eigentlich nicht gerade bekannt für diese Zusammenarbeit - und selbst in Handelskonflikte verstrickt. Doch Chinas Präsident Xi Jinping hat genau dies - nämlich Zusammenarbeit - in seiner aus Peking übertragenen Rede gepredigt: "Der Multilateralismus ist der Gedanke des 21. Jahrhunderts. In der Zukunft müssen wir an den Grundwerten des Multilateralismus festhalten, wenn wir auf Veränderungen, auf globale Herausforderungen und Bedürfnisse reagieren wollen."

Friedliche Koexistenz der Systeme

Xi sagte, kein globales Problem könne von einem Land allein gelöst werden. Er warnte, wenn weiter Kalte Kriege begonnen würden, dann würde das zu weiteren Krisen führen. Chinas Präsident mahnte eine friedliche Koexistenz der Systeme an, bei gegenseitiger Respektierung von Unterschieden. Vor dem Hintergrund der Pandemie forderte er den Abbau von Handelsbarrieren, Investitionen und technologischen Austausch.

Ungleichheit überbrücken

China werde weiter den CO2-Ausstoß reduzieren und arme Länder im Kampf gegen Covid-19 unterstützen, versprach Xi. Überhaupt - die Ungleichheit zwischen entwickelten Staaten und Entwicklungsländern müsse überbrückt werden: "Heute wächst die Ungleichheit noch weiter. Es gibt immer größere Unterschiede zwischen dem globalen Norden und Süden. Es sollten mehr Ressourcen für die Entwicklung bereitgestellt werden, und die Stimmen der Schwächeren sollten mehr Gehör erhalten."

Das passte hervorragend zur Botschaft der Entwicklungsorganisation Oxfam, die wie jedes Jahr vor dem Weltwirtschaftsforum ihren Ungleichheitsbericht vorgelegt hatte. Darin wird beschrieben, wie durch die Covid-19-Pandemie die Schere zwischen Arm und Reich weiter wächst.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Januar 2021 um 16:41 Uhr.