IWF-Chefökonomin Gopinath | dpa

Weltwirtschaftlicher Ausblick Corona sorgt weiter für Ungleichheit

Stand: 12.10.2021 17:26 Uhr

Die Weltwirtschaft wird sich laut IWF weiter von der Corona-Krise erholen - trotz hoher Inflation und Lieferproblemen. Doch es gibt auch Staaten, die im Krisenmodus feststecken. Entscheidend ist der Impffortschritt.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Die weltweite Erholung geht weiter, aber der Schwung hat nachgelassen", so fasst Gita Gopinath, die Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die globale konjunkturelle Lage zusammen. Heute hat sie den Ausblick auf die Weltwirtschaft vorgestellt, den der IWF im Rahmen seiner Herbsttagung vorlegt. "Gegenüber unserer Vorhersage im Juli haben wir die Aussicht minimal auf 5,9 Prozent herabgesetzt", fügt Gopinath hinzu.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Deutschland hinkt etwas hinterher

Die Zahl gilt für dieses Jahr; im kommenden sollen es dann noch 4,9 Prozent werden. Das Wachstum aber wird sehr unterschiedlich verteilt sein. Die USA können nach IWF-Prognose sechs Prozent erwarten, Frankreich 6,3 und Italien 5,8, das damit den größten Sprung nach vorn unter den Industriestaaten macht. Deutschland hinkt mit 3,1 Prozent in diesem Jahr hinterher.

Die Industriestaaten zusammen würden bereits im kommenden Jahr ihre Wirtschaftsleistung aus der Zeit vor der Pandemie übertreffen, so Gopinath. "Im Kontrast dazu: Die Wirtschaftsleistung der Schwellen und Entwicklungsländer wird 2024 noch 5,5 Prozent unter dem Wert vor der Pandemie sein", so die IWF-Chefvolkswirtin. Das allerdings ist ohne China und Indien gerechnet. Deren Wirtschaft wächst weiter um acht beziehungsweise 9,5 Prozent. Für die ärmeren Länder aber seien die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie der größte Rückschlag bei der Entwicklung des Lebensstandards.

Warnung vor wachsender Wohlstandskluft

Zwei große Sorgen treiben den IWF um: die rapide steigende Schuldenlast aller Länder als Folge von Konjunkturprogrammen einerseits und die derzeit hohe Inflation andererseits. "Die Geldpolitik befindet sich auf einem schmalen Grat - zwischen dem Kampf gegen Inflation und den finanziellen Risiken zur Stützung der wirtschaftlichen Erholung", kommentiert Gopinath die vorherrschende Strategie. In den ärmeren Staaten sei die Inflation deshalb besonders gefährlich, weil vor allem Lebensmittel immer teurer würden. Dort sei die Versorgung am wenigsten sicher, und es bestehe immer die Gefahr von Unruhen.

Der IWF fordert die Industriestaaten außerdem auf, mehr Impfstoff an die ärmeren Länder abzugeben. Dort seien gerade einmal vier Prozent der Bevölkerung geimpft, und das verhindere den Weg zurück zur Normalität - für alle, betont Gopinath. "Die neuen Entwicklungen machen überdeutlich, dass wir in einem Boot sitzen. Die Pandemie ist nirgends überstanden, bevor sie nicht überall überstanden ist."

Außerdem sei es wichtig, jetzt klimaschützend zu investieren. Denn auch beim Klimawandel seien die ärmeren Staaten am stärksten betroffen. Wenn man jetzt nicht handele, gehe auch da die Schere immer weiter auseinander.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Oktober 2021 um 17:41 Uhr.