Ein Bauer erntet Weizen am Rande von Jammu (Indien).  | dpa

Wegen Exportverbots in Indien Weizenpreis steigt auf neuen Rekord

Stand: 16.05.2022 13:53 Uhr

Der Ukraine-Krieg hat dazu geführt, dass Weizen auf dem Weltmarkt knapp wird. Der zweitgrößte Produzent Indien fällt wegen eines Exportverbots ebenfalls aus. Nun ist der Preis auf einen Rekord geklettert - eine Tonne kostete zeitweise 435 Euro.

Der Preis für das Brotgetreide Weizen ist auf einen neuen Rekord gestiegen. Im europäischen Handel an der Börse Euronext kostete eine Tonne Weizen am Morgen 435 Euro. Am vergangenem Freitag lag dieser Wert noch bei 416,50 Euro. Ursache ist das Exportverbot auf Weizen, das Indien am Samstag verkündet hatte.

Indien will Versorgungssicherheit sicherstellen

Indien ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt - 2021 waren es 110 Millionen Tonnen - und verfügt über große Vorräte. Für die Jahre 2022 und 2023 wollte das Land eigentlich zehn Millionen Tonnen Weizen exportieren, um von Engpässen zu profitieren, nachdem die Ausfuhren aus der Ukraine im Zuge der russischen Invasion stark zurückgegangen waren. Käufer setzten deshalb auf Indien.

Die Regierung in Neu Delhi verbot am Wochenende allerdings mit sofortiger Wirkung die Ausfuhr des Getreides. Eine extreme Hitzewelle bedroht die Ernteerträge Indiens. Die Ertragsschätzung für dieses Jahr wurde bereits nach unten korrigiert. Die Regierung will mit dem Exportstopp die Versorgungssicherheit im Land gewährleisten.

Handelsminister BVR Subrahmanyam betonte aber, dass Ausfuhren mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung weiter erlaubt seien: "Wir wollen nicht, dass Weizen unreguliert verkauft wird und dann entweder gehortet oder nicht in dem von uns erhofften Sinne genutzt wird: nämlich die Nöte verletzlicher Staaten und verletzlicher Menschen zu lindern."

Millionen von Hunger bedroht

Die Agrarminister und -ministerinnen der G7-Staaten hatten an Indien appelliert, das Ausfuhrverbot für Weizen zu überdenken. "Wir haben alle miteinander, gerade die großen Exportnationen, auch eine Verantwortung für den Rest der Welt", sagte Deutschlands Landwirtschaftsminister Cem Özdemir.

Der Ukraine-Krieg hat zur Verknappung von Weizen auf dem Weltmarkt geführt und damit zu stark steigenden Preisen. In der Ukraine lagern nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 20 Millionen Tonnen Getreide, die angesichts blockierter Lieferwege und Häfen nicht exportiert werden können.

Durch den hohen Selbstversorgeranteil drohe in der Bundesrepublik aber keine Getreideknappheit, sagte Özdemir im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Darauf dürfe sich allerdings "nicht ausgeruht werden", da auch in Deutschland Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft drohten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in derWirtschaft am 16. Mai 2022 um 14:45 Uhr.