Reisende am US-Flughafen Newark | AP

Handel mit den USA Wirtschaft leidet unter Einreisestopp

Stand: 28.07.2021 17:30 Uhr

Wegen Corona verweigern die USA Europäern nach wie vor die Einreise. Deutsche Firmen beklagen immer lauter die Belastung für ihr Geschäft, Wirtschaftsverbände sprechen von Milliardenkosten.

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Wären die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen ein Liebesverhältnis, dann wären gerade nur Online-Dates möglich. Der pandemiebedingte "Travel Ban" geht weiter: Geschäftsreisen sind nur in Ausnahmefällen möglich - und nur mit spezieller Erlaubnis. Seit März 2020 geht das schon so.

Ulrich Ackermann vom Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbauer (VDMA) rechnet mit schwerwiegenden Folgen: "Viele Unternehmen warten auf Einreisen, um Maschinen zu installieren und Service durchzuführen. Viele Funktionen sind in den USA nicht vorhanden, und man braucht die Spezialisten aus Deutschland. Geschäftsanbahnungen und Messebesuche sind nicht möglich."

Probleme vor allem im Mittelstand

Von Siemens heißt es auf Anfrage, man habe sich eingerichtet. Immerhin arbeite das Unternehmen nun schon seit Beginn des Einreisestopps so. Mit den allein etwa 40.000 Siemens-Beschäftigen in den USA sei das aber zu stemmen.

Anders sieht das beim Mittelstand aus, so VDMA-Außenwirtschaftsexperte Ackermann: "Ein durchschnittliches Unternehmen macht 20 Millionen Umsatz. Die haben natürlich nicht auf der ganzen Welt die Spezialisten, die man braucht. Das ist bei der Großindustrie anders, die haben sicherlich nicht so viele Probleme wie wir."

Nachdem die EU die Einreisebeschränkungen für US-Bürger zuletzt gelockert hat, war die Hoffnung groß auf ein positives Zeichen aus den Vereinigten Staaten. Kanzlerin Angela Merkel sprach erst vor kurzem die Problematik persönlich bei ihrem Besuch bei US-Präsident Joe Biden an, offenbar ohne Wirkung - wohl auch wegen der steigenden Corona-Fallzahlen mit der Delta-Variante in Europa und den USA.

Investitionen werden verschoben

Volker Treier, Außenwirtschaftschef beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, geht von Kosten für die Wirtschaft in Milliardenhöhe aus. "Deutsche Unternehmen haben in den USA ein Investitionsvolumen von 470 Milliarden Euro aufgebaut, beschäftigen 900.000 Menschen vor Ort", sagt Treier. "Das ist der wichtigste Investitionsmarkt für deutsche Unternehmen außerhalb Deutschlands. Die Unternehmen teilen uns mit, dass sie wegen des Travel Ban Investitionen verschieben oder sogar streichen." Auch der Export von Maschinen und Anlagen sei in den vergangenen Monaten unterdurchschnittlich gewesen.

Konsumgüter liefen da schon besser, aber auch hier werde es Veränderungen geben, erwartet David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland der Schweizer Bank Julius Bär: "Der starke Anstieg der Exporte in die USA ist einem Nachfragesog geschuldet, weil die Regierung mit ihrem Konjunkturprogramm Schecks an die Verbraucher verteilte. Die wird es aber nicht mehr geben. Und daher werden die Nachfrage und auch der Export sinken."

Wie lange der von den USA verhängte Einreisestopp für die EU und damit auch für Deutschland anhält, wagt niemand zu sagen. Sicher ist: Jeder weitere Monat wirkt sich negativ auf die Wirtschaft aus.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 28. Juli 2021 um 16:24 Uhr.