Fahrzeuge auf einem Highway in den USA | AP

Debatte in den USA E-Auto-Fahrer sollen extra zahlen

Stand: 13.07.2021 10:31 Uhr

Wenn der Marktanteil der Elektroautos steigt, sinken die Einnahmen der US-Bundesstaaten aus der Benzinsteuer. Viele haben sich daher entschieden, für E-Autos eine Sondersteuer- oder Gebühr einzuführen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Präsident Joe Biden hatte sichtlich Spaß, als er Mitte Mai am Steuer eines Ford F 150 mit Elektro-Motor saß. Einmal kräftig Gas geben, und ab dafür - unter dem Gelächter der Zuschauer. Der F 150, ein Pickup Truck, ist das meistverkaufte Auto in den USA.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Dass Ford ihn demnächst als E-Auto auf den Markt bringt, ist für Biden eine gute Nachricht. Denn: "Die Zukunft der Automobilindustrie ist elektrisch", sagte der Präsident damals in Michigan. Er will, dass auf US-Straßen möglichst bald möglichst viele Autos abgasfrei unterwegs sind - damit er sein Ziel erreichen kann, bis 2030 den Ausstoß an Klimagasen zu halbieren.

US-Präsident Joe Biden sitzt am Steuer der Elektro-Version des Ford F 150 | AFP

"Die Zukunft der Automobilindustrie ist elektrisch", sagte US-Präsident Biden bei einer Testfahrt in einem Ford F 150 mit Elektromotor. Bild: AFP

 Viele Bundesstaaten mit Sondersteuer oder Gebühr

Doch wer sich für ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid entscheidet, wird feststellen, dass Spritsparen tatsächlich etwas kosten kann in den USA. Fast 30 Staaten haben sich dafür entschieden, für Stromer eine Sondersteuer oder Gebühr einzuführen. Denn: Wer nicht tanken muss, zahlt auch keine Benzinsteuer - und die Benzinsteuer wird benutzt, um die Straßen und Brücken instand zu halten.

Eine Extra-Steuer für E-Autos ist eine Frage der Gerechtigkeit, zum Beispiel für Andrew Learned, Senator in Florida. Jeder müsse seinen Anteil zahlen, ob er nun einen 90.000 Dollar teuren Tesla oder einen 20.000 Dollar teuren Benziner fährt, sagte der Demokrat im Lokalfernsehen.

 Verschiedene Modelle

Die Benzinsteuer setzt sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Die Bundesregierung in Washington nimmt seit Jahren unverändert etwa drei Euro-Cent pro Liter. Florida packt weitere sieben Cent oben drauf. Das bringe dem Staat jährlich rund vier Milliarden Dollar, berichten lokale Medien. Wird weniger getankt, fehlt es an Geld für die Infrastruktur. Senator Learned und andere wollen deshalb, dass E-Autos in Florida jährlich eine Extra-Gebühr von umgerechnet 114 Euro zahlen.

Der Staat Oklahoma hat sich ein anderes Modell überlegt. Hier werden drei Cent pro Kilowattstunde an bestimmten Ladestellen fällig. Außerdem müssen jährlich umgerechnet 93 Euro gezahlt werden, um das Fahrzeug in Oklahoma registrieren zu lassen. Plug-In Hybride kosten weniger.

 Debatte über Infrastrukturabgabe auf Bundesebene

Auch auf Bundesebene wird laut darüber nachgedacht, die Besitzer von E-Autos um eine Art Infrastrukturabgabe zu bitten. "Im Moment sind sie Trittbrettfahrer, denn sie bezahlen keine Benzinsteuer", sagte Senatorin Susan Collins von den Republikanern. Sie möchte damit das große Infrastrukturpaket des Präsidenten zu finanzieren helfen. Doch Bidens Regierung ist offenbar entschlossen, das zu verhindern. Sondersteuern passen nicht zu ihren Plänen, E-Autos zu fördern.

Auch die Benziner sollen im Übrigen umweltfreundlicher werden. In den nächsten Wochen will die Umweltbehörde EPA vorschlagen, dass Neuwagen ab 2026 nur noch umgerechnet rund 4,5 Liter verbrauchen sollen, berichtet die "New York Times". Zum Vergleich: der F 150 Pickup verbraucht elf Liter.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Juli 2021 um 12:30 Uhr.