Hauptsitz der russischen Zentralbank im Zentrum von Moskau. | picture alliance / Natalia Seliv

Weitere Strafmaßnahme greift US-Sanktionen gegen Russlands Zentralbank

Stand: 28.02.2022 15:32 Uhr

Auch die US-Strafmaßnahmen gegen die russische Zentralbank sind in Kraft getreten. Die Sanktionen der Europäischen Union gegen die Notenbank in Moskau greifen schon seit der Nacht.

Nach der Europäischen Union haben auch die USA ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft gesetzt. US-Bürgern und Institutionen sind nun Transaktionen mit der Zentralbank verboten, zudem kann die Notenbank in Moskau damit weltweit keine Geschäfte in US-Dollar mehr durchführen, wie ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses sagte.

Zusammen mit den Sanktionen der Verbündeten sei der Großteil der russischen Devisenreserven im Wert von rund 630 Milliarden US-Dollar nun de facto blockiert und könne von Moskau nicht dafür genutzt werden, die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs aufzufangen, sagte er. Auch der russische Staatsfonds, dessen Chef und das Finanzministerium in Moskau würden mit Sanktionen belegt, erklärte das US-Finanzministerium.

Ausnahmen für Energie-Geschäfte

"Unsere Strategie ist es, einfach ausgedrückt, dafür zu sorgen, dass die russische Wirtschaft sich zurückentwickelt - so lange Präsident Putin sich entscheidet, die Invasion in die Ukraine voranzutreiben", erklärte der Sprecher. Die Sanktionen gegen die Zentralbank seien die bedeutendste Strafmaßnahme der US-Regierung. Ausnahmen gebe es nur für bestimmte Transaktionen, die mit dem Öl- und Gasmarkt zusammenhingen.

"Kein Staat ist vor Sanktionen gefeit. Putins Kriegskasse von Reserven im Wert von 630 Milliarden US-Dollar ist nur von Bedeutung, wenn er sie einsetzen kann, um seine Währung zu verteidigen, insbesondere um diese Reserven im Austausch für Rubel zu verkaufen", sagte der Vertreter des Weißen Hauses. "Und nach den heutigen Aktionen wird das nicht mehr möglich sein. Die 'Festung Russland' wird als Mythos entlarvt sein."

Vergleichbar schwerwiegend wie SWIFT-Ausschluss

Die Sanktionen gegen die Zentralbank waren von einer Gruppe westlicher Staaten bereits am Samstag angekündigt worden. Die EU hatte ihre Sanktionen in der Nacht zum Montag in Kraft gesetzt. Die internationalen Sanktionen verhindern, dass die Zentralbank auf den Teil ihrer Devisenreserven zugreifen kann, der sich im westlichen Ausland befindet, zumeist bei den jeweiligen Zentralbanken.

Nach EU-Angaben treffen die Sanktionen damit etwa die Hälfte der Devisenreserven. Neben Reserven in Fremdwährungen wie Dollar, Euro, Pfund und Yuan im Wert von 470 Milliarden US-Dollar hielt die Zentralbank Ende Januar nach eigenen Angaben auch rund 132 Milliarden US-Dollar in Gold. Die Strafmaßnahme gegen die Zentralbank gilt als mindestens ebenso schwerwiegend wie der in Kürze geplante Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Netzwerk SWIFT.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Februar 2022 um 06:36 Uhr.