Gasfackeln von einer Ölförderplattform auf den Ölfeldern von Soroush im Persischen Golf, südlich der Hauptstadt Teheran. | REUTERS

US-Importe Lieber Öl aus Venezuela und dem Iran?

Stand: 08.03.2022 11:20 Uhr

Die Menschen in den USA stöhnen über die höchste Teuerungsrate seit mehr als 40 Jahren. Ein Stopp der Ölimporte aus Russland würde die Lage zusätzlich anheizen. Nun wird bislang Unvorstellbares erwogen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Mehr als vier Dollar muss man derzeit an amerikanischen Tankstellen für eine Gallone Normalbenzin bezahlen: Das entspricht in den USA fast schon dem höchsten Benzinpreis aller Zeiten. 73 Prozent der Bürger sind entsprechend frustriert von Präsident Joe Bidens Energiepolitik. Und dennoch: Um der belagerten Ukraine beizustehen, würden 80 Prozent der US-Autofahrer an der Zapfsäule noch tiefer in die Tasche greifen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Acht von zehn Amerikanern sind demnach dafür, dass ihr Land kein Öl mehr von Russland bezieht, was einen weiteren Preisanstieg nach sich ziehen dürfte. "Bislang hat der Präsident noch keine Entscheidung getroffen", betonte kürzlich noch Bidens Sprecherin Jen Psaki. "Das Thema wird intern weiter diskutiert und außerdem mit unseren Partnern rund um die Welt!"

Import günstiger als heimisches Öl

Der Druck aus beiden Parteien steigt. Wenn es allein nach den Washingtoner Abgeordneten ginge, dann wäre bereits Schluss mit dem Import russischen Öls. "Statt Energie zu exportieren, sind wir zu einem Importeur russischen Öls geworden", beklagt die republikanische Senatorin Joni Ernst aus Iowa. Nötig hätten die USA, längst größter Ölförderer der Welt, die Importe eigentlich nicht. Sie sind aber günstiger als heimische Alternativen.

Auch vom anderen Ende des politischen Spektrums kommt dennoch Zustimmung für ein Ende der Ölgeschäfte mit Russland - so von Nancy Pelosi, demokratische Fraktionschefin im Repräsentantenhaus. Auch sie unterstützt den Bann russischen Öls.

Doch wie die Folgen für den Verbraucher abfedern, wo doch amerikanische Wahlen angeblich "at the pump" - also an der Zapfsäule - entschieden werden?

Diskussionen über das Undenkbare

In Washington wird daher das bis vor kurzem Undenkbare diskutiert: Importe aus Venezuela und womöglich auch aus dem Iran. "Im Falle Venezuela waren tatsächlich gerade US-Regierungsvertreter in Caracas", sagte Regierungssprecherin Psaki, "aber die hatten nicht nur das Thema Ölimporte auf ihrer Liste." Das gelte auch für einen ähnlichen Besuch unlängst in Riad. Denn auch Importe aus Saudi-Arabien sind wieder im Gespräch.

Und die jüngsten Sondierungen mit dem Iran? Ja, da sei es auch ums Öl gegangen, so Psaki, vor allem aber darum, den Iran nicht zur Atommacht werden zu lassen.

Das Pikante dabei: Sowohl Venezuelas Präsident Nicolas Maduro, als auch die Führung in Teheran, hatten sich zuletzt im Ukraine-Konflikt auf die Seite Putins geschlagen. Dass Washington mit beiden das Gespräch gesucht hat, belegt einmal mehr, für wie bedrohlich die Biden-Regierung die Energiepreis-Explosion im Parlamentswahl-Jahr hält.

Und um die Preissteigerung abschließend noch ins Verhältnis zu rücken: Wenn die Gallone Normalbenzin jetzt im US-Schnitt 4,07 Dollar kostet, dann entspricht das einem Literpreis von rund einem Euro. Also etwa der Hälfte dessen, was man derzeit an deutschen Tankstellen zahlen muss.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. März 2022 um 09:36 Uhr und 11:35 Uhr.