Zapfsäule einer Tankstelle in den USA | dpa

Hohe Energiepreise USA wollen Ölreserven anzapfen

Stand: 22.11.2021 10:28 Uhr

Die Energiepreise weltweit sind hoch - auch in den USA. Benzinpreise haben im vergangenen Jahr um gut 40 Prozent zugelegt. Das ist nicht nur für die Konsumenten ein Problem, sondern auch für Präsident Biden.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Autofahrer in der US-Hauptstadt Washington sind wütend. Die Benzinpreise sind so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Taxifahrer Julius ist empört - und ist nun wegen der hohen Preise in Rente gegangen, mit 78 Jahren. Und Soriya, eine Anwältin aus Washington, fährt wegen der hohen Spritpreise jetzt vor allem ihr Hybridauto - und nicht mehr so viel den SUV.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Spritpreise auf Rekordhoch

Die hohe Nachfrage hat den Ölpreis weltweit in die Höhe getrieben. Rund 3,38 Dollar kostet eine Gallone Normalbenzin an der Zapfsäule in Washington, das entspricht rund 95 Cent pro Liter. Vor einem Jahren kostete der Liter noch 54 Cent. Im Vergleich zu Deutschland erscheinen die Preise niedrig, doch für Amerikaner sind sie gewaltig - und ein tägliches Ärgernis.

"Konsumenten sehen die Preise jeden Tag, selbst wenn sie nicht tanken - die steigenden Benzinpreise sind einfach sehr sichtbar", bestätigt Bob McNally im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er ist Energieexperte bei der Rapidan Energy Group und war unter der Regierung von George W. Bush hochrangiger Berater des Präsidenten im Weißen Haus. Viele Amerikaner, sagt er, gäben der US-Regierung die Schuld für die hohen Spritpreise. Zudem gelten die Ölpreise auch als ein Grund für den Anstieg der Inflation. Deswegen müsse US-Präsident Joe Biden etwas unternehmen.

Konzertiertes Anzapfen der Ölreserven?

Doch welche Handlungsoptionen hat er? Zum einen hat Biden die erdölexportierenden Länder gebeten,  Produktion und Export von Rohöl hochzufahren - bislang ohne Erfolg. "Wir haben den OPEC-Ländern inklusive Saudi-Arabien klar gemacht, dass die Ölversorgung auf dem Markt gesichert sein muss", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki.

Eine andere Option ist, Teile der strategischen Ölreserven anzuzapfen - schließlich sitzen die USA auf rund 620 Millionen Barrel Öl. Präsident Biden hat deswegen bereits Gespräche geführt - unter anderem mit Japan, Südkorea, China und Indien. Eine konzertierte Aktion würde weltweit die Ölpreise drücken und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. China und Japan haben bereits Bereitschaft signalisiert.

Eiserne Reserve eigentlich nur für Notfälle

Kritiker monieren jedoch: Das Anzapfen der strategischen Ölreserven ist eigentlich nur für Notfälle vorgesehen - nach Naturkatastrophen oder Kriegen, wenn etwa alle Ölimporte in die USA gestoppt würden. Der Vorrat ist nicht unendlich: Laut "New York Times" würde er den Energiebedarf der USA für rund einen Monat decken. Außerdem sind Experten der Ansicht, dass die Maßnahme den Ölpreis nur mäßig drücken würde, und das auch nur für kurze Zeit. "Die Idee ist zudem nicht neu", so Energieexperte McNally. "Genau das haben das Weiße Haus und der Kongress schon gemacht, als nach dem Ersten Weltkrieg die Spritpreise nach oben gingen." 

Einen Vorteil zumindest hätte der staatliche Zugriff auf die Ölreserven, Die US-Regierung könnte zeigen, dass sie gewillt ist, etwas gegen die hohen Energiepreise zu tun. Und so hat möglicherweise schon nur die Debatte darüber eine gewisse Symbolwirkung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. November 2021 um 05:38 Uhr.