Menschen stehen vor US-Jobcenter Schlange | dpa

Trotz Aufschwung Den USA fehlen noch Millionen Jobs

Stand: 04.06.2021 17:32 Uhr

Die US-Wirtschaft wächst, die Corona-Impfungen im Land kommen voran - das sorgt für Beschäftigung. Noch immer ist die Arbeitslosenquote aber höher als vor der Pandemie. Kein Grund also für die Notenbank, die Zügel anzuziehen.

Die Erholung des amerikanischen Arbeitsmarkts hat sich auch im Mai fortgesetzt, allerdings kommt der Beschäftigungsaufbau langsamer voran als von den meisten Ökonomen erwartet. Insgesamt entstanden außerhalb der Landwirtschaft 559.000 neue Jobs. Experten hatten hingegen mit 650.000 gerechnet. Damit blieb der Anstieg der Beschäftigung den zweiten Monat in Folge hinter den Erwartungen zurück.

Besonders viele Stellen kamen im Mai in jenen Branchen hinzu, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dazu zählen vor allem die Dienstleister und der Handel. So kamen allein im Freizeitbereich und Gastgewerbe fast 300.000 Arbeitsplätze neu hinzu. Wesentlicher Grund dürften Lockerungen von Corona-Beschränkungen in vielen US-Staaten sein. Am Bau wurden jedoch Stellen abgebaut.

Vorkrisenniveau noch entfernt

Angesichts der Impffortschritte im Kampf gegen die Corona-Pandemie und der wieder gut laufenden Konjunktur gilt ein weiterer Beschäftigungsanstieg in den kommenden Monaten als wahrscheinlich. Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um kräftige 6,9 Prozent wächst. Laut Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe fehlen allerdings immer noch 7,6 Millionen Jobs im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau.

Mit der Pandemie war die Beschäftigung im Frühjahr 2020 im Rekordtempo eingebrochen. Seitdem erholt sich der Arbeitsmarkt. Allerdings sind immer noch viele Amerikaner ohne Job, offiziellen Zahlen zufolge etwa 9,3 Millionen. Damit sind rund dreieinhalb Millionen Menschen mehr arbeitslos als im Februar 2020, also vor Ausbruch der Pandemie in den USA.

Dennoch klagen zahlreiche Betriebe über Schwierigkeiten, neues Personal zu finden. Sie machen die umfangreichen staatlichen Hilfen dafür verantwortlich, dass so manche Arbeitslose keinen Anreiz hätten, sich einen Job zu suchen. Die republikanischen Gouverneure in 25 Bundesstaaten, darunter Florida und Texas, wollen deshalb ab nächsten Samstag die von der Bundesregierung finanzierten Arbeitslosenprogramme auslaufen lassen. Zu den Leistungen, die nun vorzeitig beendet werden, gehört ein wöchentlicher Zuschuss von 300 Dollar. Die Fed rechnet bis Jahresende mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie bei 3,5 Prozent gelegen - dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.

Keine Straffung der Geldpolitik erwartet

Laut den Experten der Hessischen Landesbank (Helaba) dürfte die Diskussion über eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) damit keinen neuen Schub erhalten: "Noch immer ist die Fed ein gutes Stück von der Zielerreichung entfernt und unmittelbare Straffungen der geldpolitischen Zügel wird es nicht geben", heißt es in einem Kommentar der Bank.

Damit werden die Wertpapierkäufe in Höhe von rund 120 Milliarden Dollar pro Monat zur Stützung der Konjunktur vorerst weitergehen. Notenbank-Chef Powell hatte immer wieder betont, dass die Fed Arbeitsmarkt und Wirtschaft "so lange es nötig ist" und mit "allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln" unterstützen werde. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll nach Berechnungen der Fed in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen.

Neue US-Inflationszahlen nächste Woche

Ein Problem für die US-Notenbank könnte die Inflation werden. Aus Sicht von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, stellt sich angesichts der steigenden Preise immer mehr die Frage, "ob es sich tatsächlich nur um ein temporäres Strohfeuer handelt". Die Fed werde daher klarstellen müssen, ob sie "tatsächlich so lange expansiv bleiben wird, bis der Arbeitsmarkt das Vollbeschäftigungsniveau erreicht hat." Angesichts dieser Diskussion dürften in der kommenden Woche vor allem die US-Verbraucherpreise für Mai beachtet werden, die am Donnerstag veröffentlicht werden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Juni 2021 um 12:15 Uhr.