Die chinesische und die deutsche Flagge auf einem Schreibtisch | dpa

AHK-Umfrage Deutsche Firmen in China benachteiligt

Stand: 19.01.2022 13:43 Uhr

China ist einer der wichtigsten Märkte - auch für deutsche Unternehmen. Doch die Bedingungen haben sich laut einer Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer in China verschlechtert. Viele Firmen fühlen sich benachteiligt.

Ein Drittel der in China tätigen deutschen Unternehmen sehen sich im Wettbewerb auf dem chinesischen Markt benachteiligt. Das hat eine Studie der Deutschen Außenhandelskammer in China ergeben. Fast 600 Unternehmen haben an der Umfrage teilgenommen. Danach ist es für chinesische Unternehmen im Vergleich zu deutschen Firmen in China leichter, in den Markt einzutreten und an öffentliche Liefer- und Bauaufträge zu kommen.

Dass sich China zunehmend auf die eigene Wirtschaft fokussiert und den heimischen Wettbewerb stärken will, ist laut der Deutschen Außenhandelskammer in China zur größten Herausforderung für deutsche Unternehmen geworden. Die AHK fordert von China, dass alle Unternehmen gleich behandelt werden. Es sei für die deutschen Unternehmen wichtig zu wissen, ob Gleichberechtigung im chinesischen Wirtschaftssystem vorgesehen ist.

Corona erschwert die Bedingungen zusätzlich

Die deutschen Unternehmen in China leiden des Weiteren seit Beginn der Corona-Pandemie unter den geschlossenen Grenzen und den strengen Einreisebestimmungen. Das Verfahren, Visa auszustellen, dauert länger, Flüge werden immer wieder gestrichen, und alle Einreisenden müssen sich in eine mehrwöchige Hotelquarantäne begeben. Das sei für deutsche Unternehmen eine kaum zumutbare Hürde im Geschäft mit China. Laut der Umfrage der AHK beeinträchtigen die Einreisebestimmungen das gegenseitige Verständnis und verhindern ausländische Investitionen.

"Die reduzierte Konnektivität zwischen unseren beiden Regionen seit Beginn der Corona-Pandemie ist uns allen ein ernstes Anliegen", mahnte Frank Rückert, der Gesandte der Deutschen Botschaft in Peking, anlässlich der Vorstellung der Kammer-Umfrage.

Neue Probleme wegen Omikron befürchtet

Auch die vergangene Woche erstmals in chinesischen Städten nachgewiesene Omikron-Variante des Coronavirus besorgt die deutschen Firmen. "Omikron könnte in der Zukunft zu massiven Lockdowns führen, was Folgen für deutsche Firmen hätte", sagte Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Deutschland, die an der Umfrage der Handelskammer beteiligt war.

Die Regierung in Peking setzt im Umgang mit dem Coronavirus weiter auf Abschottung. Landesweit wurden zuletzt täglich zwar nur rund 150 Fälle gemeldet - in einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen. Doch Experten sind besorgt, dass Omikron die Null-Covid-Strategie der chinesischen Regierung an ihre Grenze bringen könnte. Gewarnt wurde vor Unterbrechungen von Lieferketten und lahmgelegten Fabriken, was Folgen auch für die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Auch würden die zuletzt aufgetretene Energieknappheit in vielen Regionen sowie die Krise am chinesischen Immobilienmarkt die Stimmung bei deutschen Unternehmen eintrüben, sagte Glunz.

Optimismus deutscher Firmen leicht gedämpft

Tatsächlich hat der Optimismus der in China tätigen deutschen Unternehmen der Umfrage zufolge leichte Kratzer bekommen. Zwar blicken mit 51 Prozent noch immer knapp mehr als die Hälfte zuversichtlich in die Zukunft; im Vergleich zum Vorjahr ist der Wert allerdings geschrumpft. 2021 bewerteten noch 66 Prozent der befragten Unternehmen ihre Zukunft in China optimistisch. 18 Prozent der Firmen stellen sich 2022 auf eine Verschlechterung der Aussichten ein - nach neun Prozent im Vorjahr.

Immerhin 60 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie im vergangenen Jahr ihre Geschäfte in China steigern konnten und dass sie dies auch für 2022 erwarten. "Die deutschen Unternehmen in China schauen recht optimistisch ins neue Jahr, ihr Engagement im Markt bleibt unerschüttert", sagte Clas Neumann, Präsident der Deutschen Handelskammer in China.

Appell an die neue Ampel-Regierung

Ungeachtet dessen rief die Kammer rief die neue Bundesregierung dazu auf, die Sorgen der Unternehmen in ihrer China-Strategie zu berücksichtigen. "Aus Sicht der deutschen Unternehmen sollte sich die neue Bundesregierung weiterhin für eine Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen und eine Lockerung der Reisebeschränkungen einsetzen", sagte Neumann. "Gleichzeitig sollte sie den Dialog fortsetzen und eine Justierung der deutsch-chinesischen Wirtschaftskooperation in verschiedenen Bereichen anstreben."

Der chinesische Markt bleibt für die deutschen Unternehmen einer der wichtigsten globalen Märkte. Nur vier Prozent der Unternehmen denken der Umfrage zufolge darüber nach, China zu verlassen.

Mit Informationen von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. Januar 2022 um 12:10 Uhr.