Weizenmühle | picture alliance / NurPhoto

Weltweite Auswirkungen Der Ukraine-Krieg verschärft den Hunger

Stand: 11.03.2022 17:29 Uhr

Umkämpfte ukrainische Häfen, Sanktionen gegen Russland: Der Ukraine-Krieg schlägt bereits in Krisenregionen durch und wird auch manche Schwellenländer unter Druck setzen, befürchten die UN.

Von Rüdiger Kronthaler, ARD-Studio Rom

Die Ukraine und Russland gelten als Kornkammern der Welt. Die Ukraine ist fünftgrößter Weizenexporteur, Russland ist laut der Vereinten Nationen (UN) weltweit die Nummer Eins. Zusammengenommen exportieren beide Länder Getreide in circa 50 Länder. Doch seit Kriegsbeginn herrscht weitgehend Stillstand, und es droht laut der UN-Ernährungsorganisation FAO ein sprunghafter Anstieg der Zahl an hungernden Menschen - nicht nur in bereits bestehenden Krisenregionen.

Rüdiger Kronthaler ARD-Studio Rom

Stockender Export, unklare Aussichten

In der Ukraine sind viele Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, vor den Kämpfen geflohen. Damit sei nicht mehr sichergestellt, dass im Frühjahr ausgesät und im Sommer geerntet werden kann, so der FAO-Bericht. Das zweite Problem ist, dass ukrainisches Getreide derzeit nicht mehr per Schiff ausgeführt werden kann, da die Häfen umkämpft sind. Der Export über den Landweg sei ebenfalls zu unsicher, abgesehen davon, dass der kriegsbedingt hohe Ölpreis die Exporte stark verteuert.

Auch der Export aus Russland stockt: Die russischen Häfen am Schwarzen Meer sind zwar geöffnet, auch sind laut FAO keine Ernterückgänge zu erwarten. Allerdings schlagen die finanziellen Sanktionen durch. 13,5 Millionen Tonnen Weizen und 16 Millionen Tonnen Mais lägen in der Ukraine und Russland fest, so der Bericht des UN-Welternährungsprogramms (WFP). Die Folgen spüren nicht nur die akuten Krisenregionen wie Syrien oder der Jemen; auch stabilere Länder wie Bangladesch, Ägypten oder die Türkei importieren 60 Prozent ihres Weizens aus der Ukraine und Russland.

UN-Organisation muss Hilfen herunterfahren

Das WFP wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und versorgt in vielen Krisenregionen weltweit Menschen mit Grundnahrungsmitteln. Bereits jetzt zahlt die Organisation 30 Prozent mehr für Nahrungsmittel als noch im Jahr 2019. Gerade aus der Ukraine bezieht die UN-Organisation einen Großteil ihres Weizens. Jetzt gehört die Ukraine selbst zu diesen.

Die Folge ist, dass das WFP beispielsweise im Jemen die Nahrungsrationen für Hungernde bereits drastisch reduzieren muss. Die UN-Organisation fordert, die Verteilungsketten für Lebensmittel trotz des Kriegs offen zu halten - und bittet um Spenden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. März 2022 um 11:37 Uhr.