Brennende Gasfackel vor Ölpumpen

Ukraine-Krise bereitet Sorgen Börsenkurse fallen, Ölpreis steigt

Stand: 14.02.2022 14:18 Uhr

Die Sorgen angesichts der russischen Militärpräsenz nahe der ukrainischen Grenze wachsen. Während die Börsenkurse fallen, legt der Ölpreis zeitweise kräftig zu. Fachleute fürchten, er könne bald über 100 Dollar steigen.

Politiker, Experten und Bürger spekulieren über eine russische Invasion in der Ukraine. Die Anleger an den weltweiten Aktien- und Rohstoffmärkten spekulieren mit. Was wäre, wenn aus dem Säbelrasseln ein Krieg würde? Fest steht: Eine militärische Auseinandersetzung in der Ukraine hätte massive wirtschaftliche Folgen.

Der Markt ist sensibilisiert

Sollte die Krise eskalieren, dürften Öl- und Gaspreise deutlich steigen und damit auf die Konjunktur drücken. Autofahrer müssten sich auf weiter steigenden Spritpreise einstellen, die Inflation würde durch steigende Energiepreise ebenfalls weiter angeheizt.

Die Marktteilnehmer sorgten sich darum, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine den Ölnachschub unterbrechen und zu Lieferausfällen führen könnte, meint Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte bei der UBS. Staunovo unterstrich, dass der Ölmarkt derzeit besonders sensibel auf Nachrichten über mögliche Lieferengpässe reagiere, da viele Lager nur schwach gefüllt seien und die Fähigkeit der Ölproduzenten, ihre Kapazitäten auszubauen, begrenzt seien.

Ölpreis bald über 100 Dollar?

Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 1,8 Prozent und kostete mit 96,16 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise so viel wie zuletzt vor siebeneinhalb Jahren. Auch Öl der Sorte WTI erreichte zeitweise ein Preisniveau wie zuletzt im Herbst 2014. Der ohnehin bereits angespannte Markt für Erdgas reagierte ebenfalls, der europäische Erdgas-Terminkontrakt stieg um 13 Prozent auf 84,20 Euro je Megawattstunde.

Allerdings nahmen einige Anleger am Ölmarkt anschließend die Gelegenheit war und strichen Gewinne ein, sodass die Notierungen wieder nachgaben. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht: "Wenn es Truppenbewegungen gibt, wird der Brent-Preis problemlos über die Marke von 100 Dollar springen", prognostizierte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda.

Auch der Gaspreis dürfte weiter steigen

Das erwartet auch sein Kollege Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank: Im Falle einer militärischen Eskalation seien weitreichende Sanktionen des Westens gegen Russland zu erwarten, die auch den Energiesektor und den Finanzsektor betreffen dürften. "Dadurch könnten auch die Lieferungen von Rohöl und Erdgas beeinträchtigt werden. Russland ist der zweitgrößte Rohölexporteur und der größte Erdgasexporteur weltweit." Fritsch erwartet neben Brent-Notierungen über 100 Dollar auch, dass der Preis für Erdgas über die Marke von 100 Euro je Megawattstunde steigen könnte.

Für die Autofahrer wird die Situation besonders ungemütlich: Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht vom ADAC rechnet mit steigende Spritpreisen. Aber er räumt ein, dass ein Spritpreis von zwei Euro je Liter in weiter Ferne sei. "Damit kann man mittelfristig nicht ernsthaft rechnen, denn dafür müsste der Ölpreis in Dimensionen von um die 150 Dollar pro Fass klettern."

Wirtschaftliche Folgen einer Eskalation

An den Finanzmärkten ist die Reaktion ebenfalls heftig. Die Investoren fürchten, dass das Russlandgeschäft der deutschen Großkonzerne betroffen wäre: Der deutsche Leitindex DAX verliert rund drei Prozent und rutscht zeitweise sogar unter die runde Marke von 15.000 Punkten.

Zu den großen Verlierern des Morgens gehören Aktien der Deutschen Bank, von Siemens Energy und Volkswagen. Sie alle machen Geschäfte in Russland und verbuchen nun Kursverluste. 23 Milliarden Euro - so groß ist das Exportgeschäft der deutschen Unternehmen mit Russland. Maschinen, Chemie, Autos, es geht also um deutsche Kernprodukte. Zum Vergleich: Nach Frankreich exportierte Deutschland im Jahr 2020 Güter im Wert von mehr als 90 Milliarden Euro.

Heftige Reaktionen an Russlands Börse

Heftige Reaktionen gibt es auch am russischen Aktienmarkt. Anleger dort sorgen sich vor Sanktionen, wenn Russland den Konflikt aufflammen lassen sollte. Der russische Leitindex RTS mit Firmen wie der Fluggesellschaft Aeroflot oder dem Gasriesen Gazprom verliert zeitweise mehr als fünf Prozent. Auch die russische Währung, der Rubel, gab stark nach.

Mit Informationen von Victor Godjka, ARD-Börsenstudio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Februar 2022 um 12:00 Uhr.