Doppeldeckerbusse in London | picture alliance / imageBROKER

Wirtschaftswachstum verlangsamt Großbritannien kommt nicht in Schwung

Stand: 11.11.2021 10:33 Uhr

Die britische Wirtschaft ist im dritten Quartal trotz "Freedom Day" und der Aufhebung der meisten Corona-Beschränkungen langsamer gewachsen als erwartet. Vor allem der Treibstoffmangel belastet.   

In Großbritannien legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September um 1,3 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt in London (ONS) mitteilt. Damit setzt die britische Wirtschaft ihre Erholung vom Corona-Einbruch zwar fort, allerdings in etwas schwächerem Ausmaß als erwartet. Ökonomen von der Bank of England hatten ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert.

Im Frühjahrsquartal hatte der Anstieg noch bei 5,5 Prozent gelegen. Damals hatten die Unternehmen kräftig von der Lockerung zahlreicher Corona-Maßnahmen profitiert. Laut ONS ist auch das Wachstum im Sommer überwiegend auf diese Lockerungen zurückzuführen.

Bars und Restaurants profitieren

Die Briten hatten im Juli mit einem "Freedom Day" das Ende der meisten Corona-Auflagen gefeiert. Davon profitierten beispielsweise Bars und Restaurants. Zugleich wurde die Wirtschaft durch die zeitweilige Verknappung von Benzin und Diesel an vielen Tankstellen in England ausgebremst. Verursacht wurde das durch einen Mangel an Lkw-Fahrern, der wiederum auf den EU-Ausstieg des Landes zurückgeht, durch den viele osteuropäische Arbeitnehmer auf den Kontinent zurückgekehrt sind.

"Während der private Konsum und die Staatsausgaben schneller wuchsen als wir erwarteten, haben die Investitionen der Wirtschaft und die Exporte enttäuscht", lautet die Einschätzung von Kallum Pickering, Ökonom bei der Berenberg Bank.    

Die britische Wirtschaft war 2020 in der Corona-Pandemie um 9,7 Prozent eingebrochen, es war der stärkste Rückgang seit 300 Jahren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt ihr in diesem Jahr ein Wachstum von rund sieben Prozent voraus. Im September lag das BIP der fünftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt noch um 0,6 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020, dem Monat vor dem Corona-Ausbruch in dem Land.

Die deutsche Wirtschaft schaffte im Sommer ein Plus von 1,8 Prozent. Aber auch hierzulande werden die Ausblicke pessimistischer: Zuletzt hatten die sogenannten "Wirtschaftsweisen" ihre Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr auf 2,7 Prozent nach unten korrigiert. Im März hatten sie noch mit einem Plus von 3,1 Prozent gerechnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2021 um 12:44 Uhr.