Ein Mann läuft an einer Anzeigetafel mit den Wechselkursen ausländischer Währungen vorbei. | dpa

Überraschende Zinssenkung Türkische Lira auf Talfahrt

Stand: 23.09.2021 16:29 Uhr

Die türkische Zentralbank hat völlig überraschend ihren Leitzins gesenkt. Die Landeswährung Lira brach daraufhin kräftig ein. Geht der politische Kampf um die Geldpolitik in eine neue Runde?

Die türkische Lira ist nach einer überraschenden Zinssenkung der türkischen Notenbank kräftig unter Druck geraten. Gegenüber dem US-Dollar fiel sie sogar auf ein Rekordtief.

Die Notenbank in der Hauptstadt Ankara senkte den Leitzins unerwartet um einen ganzen Punkt auf 18,0 Prozent. Damit liegt die Steuerungsgröße der Geldpolitik wieder unter der Inflationsrate, die zuletzt angesichts steigender Lebensmittel- und Energiepreise mit einer Jahresrate von 19,25 Prozent ausgewiesen worden war.

Durch die Entscheidung ist der Realzins, also der Leitzins abzüglich der Inflation, wieder negativ. Analysten hatten eher mit einem weiteren Zinsschritt nach oben gerechnet.

Vor wenigen Wochen hatte Notenbankchef Sahap Kavcioglu allerdings bereits angekündigt, mehr Gewicht auf die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittelpreise zu legen. Diese liegt unterhalb der Gesamtinflation.

Vierter Notenbankchef in zwei Jahren

Kavcioglu ist mittlerweile der vierte Notenbankchef seit 2019. Seine Vorgänger waren letztlich alle in Ungnade gefallen, weil sie den von Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstützten Kurs einer lockeren Geldpolitik nicht mitgetragen hatten. Erdogan lehnt hohe Zinsen als wirtschaftlich schädlich ab. Der Politiker hatte in der Vergangenheit entgegen der allgemein akzeptierten ökonomischen Theorie häufiger die Ansicht vertreten, dass höhere Leitzinsen die Inflation antreiben würden, und daher Zinssenkungen gefordert.

Am Devisenmarkt stand die Lira deutlich auf der Verliererseite. Ein Euro war bis zu 10,32 Lira wert und damit fast zwei Prozent mehr als am Vortag. Für einen US-Dollar mussten sogar bis zu 8,8032 Lira bezahlt werden und damit so viel wie nie zuvor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2021 um 17:27 Uhr.