Türkische Lira | picture alliance / AA

Folgen des Ukraine-Kriegs Türkische Inflation bei 61 Prozent

Stand: 04.04.2022 10:58 Uhr

Die türkischen Verbraucherpreise sind im März so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Krieg in der Ukraine, steigende Energiekosten und die Abwertung der Lira sorgten für eine Teuerungsrate von 61 Prozent.

Die Inflation in der Türkei ist im März auf mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 61,14 Prozent, wie das nationale Statistikamt in Ankara mitteilte. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise um 5,46 Prozent. Im Februar hatte der Anstieg rund 54 Prozent betragen.

Besonders hoch ist die Inflation beim Transport (rund 100 Prozent im Jahresvergleich), aber auch Lebensmittel verteuerten sich weiter. Die Erzeugerpreise legten im März laut der Statistikbehörde sogar um rund 115 Prozent im Jahresvergleich zu.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs

Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflationsrate auch am Jahresende noch bei mehr als 50 Prozent stehen wird. In einer aktuellen Länderstudie stellen die Fachleute der Ratingagentur S&P fest, dass die Folgen des Ukraine-Kriegs zu denen steigende Lebensmittelkosten und steigende Energiepreise gehören, die türkische Wirtschaft weiter schwächen und die Inflation verschärfen werden. Deshalb senkten die Experten die Bonitätsnote der Türkei. Der Ausblick für die kommenden zwölf Monate fällt negativ aus.  

Russland und die Ukraine sind wichtige Lieferanten für Getreide und Sonnenblumenöl. Besonders das Speiseöl hatte sich in der Türkei zuletzt stark verteuert. Zum April wurde die Mehrwertsteuer auf einige Produkte wie Hygieneartikel gesenkt. Auch die türkische Tourismusbranche spürt die Folgen, da üblicherweise viele russische Urlauber das Land besuchen.

Türkische Notenbank senkte Leitzins

Als Hauptgrund für den starken Anstieg der Verbraucherpreise gilt die lockere Ausrichtung der türkischen Geldpolitik. Trotz der hohen Inflation hat die türkische Notenbank im vergangenen Jahr den Leitzins mehrmals gesenkt, auf zuletzt 14,0 Prozent. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist erklärter Gegner hoher Zinsen, die von Ökonomen als Mittel gegen hohe Inflation empfohlen werden. Höhere Zinsen würden auch die eigene Währung attraktiver machen.

Die türkische Zentralbank strebt eigentlich eine Teuerungsrate von fünf Prozent an, wird dieses Ziel nach eigener Prognose aber auch im kommenden Jahr noch deutlich verfehlten: Dann soll das Plus bei durchschnittlich 8,2 Prozent liegen. Die Inflation lag in den vergangenen fünf Jahren meist im zweistelligen Bereich, was an den Einkommen und Ersparnissen der Türken zehrt.

Hinzu kommt, dass die türkische Lira im vergangenen Jahr etwa die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt hat, was wiederum die Inflation befeuert. Denn das rohstoffarme Land importiert mehr Waren als es exportiert. Die Einfuhren werden oftmals in Dollar und anderen Devisen abgerechnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2022 um 11:00 Uhr.