Eine Frau kauft auf einem Straßenmarkt ein. | dpa

Maßnahmen angekündigt Türkei geht gegen hohe Inflation vor

Stand: 10.06.2022 15:40 Uhr

Die offizielle Inflationsrate liegt in der Türkei bei mehr als 70 Prozent. Nun gab die Regierung Maßnahmen zur Eindämmung der hohen Teuerungsrate bekannt. Das stützte den Kurs der türkischen Lira.

Die türkische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung der hohen Teuerungsrate angekündigt. "Der Kampf gegen die Inflation bleibt oberste Priorität", erklärte das Finanzministerium in Ankara. Die Koordinierung von Maßnahmen zwischen verschiedenen staatlichen Institution sei von großer Bedeutung..

Den Angaben zufolge ist die Ausgabe inländischer Anleihen geplant, die an die Einnahmen staatlicher Unternehmen gekoppelt sind. Damit soll das Sparen von Lira-Vermögenswerten gefördert werden. Die Zentralbank erhöhte die erforderliche Rücklagenquote für Lira-Bargeldkredite von zehn auf 20 Prozent. Ziel dürfte es sein, das Wachstum der Geldmenge zu reduzieren und damit den derzeit vorherrschenden hyperinflationären Tendenzen Einhalt zu gebieten. In diese Richtung zielt auch die Ankündigung, die Laufzeiten von Konsumkrediten zu beschränken.

Offizielle Inflation zuletzt bei 73,5 Prozent

Die Verbraucherpreise in der Türkei waren im Mai so stark gestiegen wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 73,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor - das ist die höchste Inflationsrate seit Oktober 1998.

Im Zuge dieser Entwicklung ist davon auszugehen, dass auch staatliche Unternehmen im Zeitablauf kräftig an der Preisschraube gedreht haben. Ihre Einnahmen dürften damit erheblich zugenommen haben und auch in Zukunft expandieren, solange die Geldentwertung auf hohem Niveau bleibt. Zeichner solcher Anleihen dürfte damit ein deutlich stärkerer Einnahmenzuwachs winken, als wenn sie ihr Geld auf Lira-Konten anlegen. Denn dabei liegen die Zinsen, die sich am Leitzins von 14 Prozent orientieren, ganz erheblich unter der Inflationsrate. Es drohen damit real gewaltige Wertverluste. Und es ist mit einem noch niedrigeren Leitzins zu rechnen.

Positive Reaktion am Devisenmarkt

Am Devisenmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Am Nachmittag mussten 17,04 Lira für einen US-Dollar bezahlt werden, ein Minus von rund 1,3 Prozent, die US-Währung verbilligte sich damit. Je mehr Lira man für einen US-Dollar aufwenden muss, desto weniger ist türkische Lira wert.

Trotz der leichten Erholung hat die türkische Devise seit Jahresbeginn um mehr als 20 Prozent abgewertet. Besonders die hohe Verschuldung des Privatsektors in internationalen Währungen droht damit zu einem großen Problem zu werden, da in den kommenden zwölf Monate viele Kredite zurückgezahlt werden müssen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juni 2022 um 11:40 Uhr.