Leuchtanzeige an einem Wechselbüro in Istanbul | picture alliance / NurPhoto

Höchster Stand seit 2002 Türkische Inflation steigt auf 36 Prozent

Stand: 03.01.2022 10:27 Uhr

Die Geldentwertung in der Türkei hat sich beschleunigt: Im Dezember stieg die Inflationsrate sprunghaft auf mehr als 36 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit knapp 20 Jahren. Mitverantwortlich ist die Politik der Zentralbank.

In der Türkei sind die Verbraucherpreise im Dezember so stark gestiegen wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das türkische Statistikamt in Ankara bezifferte die Teuerung auf 36,08 Prozent im Vergleich zum Dezember 2020. Im November hatte die Inflation bei 21,31 Prozent gelegen. Allein seit dem Sommer haben sich die Steigerungsraten für die Lebenshaltungskosten mehr als verdoppelt.

Hinter dem Anstieg steht auch eine dramatische Inflation der Erzeugerpreise, die im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 79,89 Prozent kletterten. Diese Preise, die Produzenten für ihre Waren verlangen, schlagen zumindest teilweise auf die Verbraucherpreise durch.

Kursverfall der Lira verteuert Importe

Grund für die Teuerung ist vor allem der rasante Kursverfall der Landeswährung. Die schwache Lira verteuert die Einfuhren von Gütern und Vorprodukten seit Monaten erheblich.

Die Entwertung der Lira ist eine Folge der Geldpolitik der türkischen Zentralbank. Diese hat unter dem Druck des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trotz der hohen Inflation den Leitzins zuletzt immer weiter gesenkt. Erst im Dezember schraubte sie den Leitzins von 15 auf 14 Prozent herunter.

Jüngste Ankündigungen verpuffen

Die nachfolgend von der Regierung angekündigten Maßnahmen, um die Teuerung abzumildern und den Lira-Kurs zu stabilisieren, stießen auf Skepsis von Experten und konnten den Kursverfall nur vorübergehend stoppen.

Erdogan ist entschiedener Gegner hoher Zinsen und setzt auf eine lockere Geldpolitik, um günstigere Kredite und Investitionsanreize zu ermöglichen. Diese Politik bei gleichzeitig galoppierender Inflation steht im offenen Widerspruch zur gängigen Wirtschaftslehre. Bisher haben die Maßnahmen die wirtschaftlich schwierige Lage der Türkei verschärft, die sich auch in einer hohen Arbeitslosigkeit niederschlägt. Allein zwischen November und Dezember verteuerten sich die Lebenshaltungskosten im Land um knapp 13,6 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2022 um 10:00 Uhr.

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Moderation 03.01.2022 • 14:20 Uhr

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