Der türkische Präsident Erdogan vor dem Parlament | AFP

Türkische Lira auf Rekordtief Erdogan entlässt drei Notenbanker

Stand: 14.10.2021 14:39 Uhr

Einmal mehr hat sich Präsident Erdogan in die Personalien der türkischen Zentralbank eingemischt: Gleich drei Mitglieder müssen ihren Posten räumen. Die Lira sackt in der Folge dramatisch ab.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erneut in die Personalpolitik der nationalen Notenbank eingegriffen. Mit einem Dekret entließ er in der vergangenen Nacht Semih Tumen, Ugur Namik Kucuk sowie Abdullah Yavas und ernannte an ihrer Stelle zwei neue Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses. Taha Cakmak wurde unter anderem stellvertretender Chef der Zentralbank.

Laut Medienberichten soll zumindest einer der Entlassenen gegen die jüngste Zinssenkung votiert haben. Es sei davon auszugehen, dass die beiden anderen Mitglieder den Kurs der Zentralbank ebenfalls skeptisch sehen, erklärte Commerzbank-Expertin Antje Praefcke.

Lira auf Talfahrt

Die Landeswährung Lira reagierte mit deutlichen Kursverlusten und fiel gar auf ein Rekordtief. Nach der Bekanntgabe stieg der US-Dollar bis auf 9,19 Lira. So viel Lira mussten noch nie für einen Dollar gezahlt werden.

Auch zum Euro gab die Währung spürbar nach. Ein Euro kostete bis zu 10,67 Lira. Damit ist das Rekordhoch von 10,75 Lira für einen Euro nicht weit entfernt. Im Tagesverlauf erholte sich die Lira nur leicht.

Treffen mit Notenbankchef

Vor Veröffentlichung des Dekrets soll sich Erdogan mit Notenbankchef Sahap Kavcioglu getroffen haben. Der seit März amtierende Kavcioglu ist bereits der vierte Zentralbankchef seit 2019. Seine Vorgänger waren alle in Ungnade gefallen, weil sie den von Erdogan vorgesehenen Kurs einer lockeren Geldpolitik nicht mitgetragen haben. Obwohl Kavcioglu Ende September auf Erdogans Kurs einschwenkte, gab es zuletzt Spekulationen über ein getrübtes Verhältnis zwischen den beiden.

Die Türkei leidet seit längerem unter einer hohen Inflation, gegen die üblicherweise Zentralbanken mit einer strafferen Geldpolitik durch höhere Leitzinsen vorgehen. Diese könnten auch den Kurs der Lira stützen, wodurch Importe wieder günstiger würden, meinen Fachleute.

Inflation auf höchstem Stand seit 2019

Vergangenen Monat hatte die Zentralbank den Leitzins allerdings von 19 Prozent auf 18 Prozent gesenkt - trotz einer Preissteigerungsrate von knapp 20 Prozent. Beobachter sehen dahinter den Einfluss Erdogans, der ein erklärter Gegner hoher Zinsen ist. Er sieht darin eine Bremse für das Wirtschaftswachstum und spricht sich stattdessen für Zinssenkungen als Gegenmittel aus.

Allein seit Anfang 2021 hat die Lira fast ein Fünftel an Wert verloren. In den vergangenen drei Jahren büßte sie mehr als die Hälfte ein. Beobachtern zufolge untergraben die wiederholten Eingriffe Erdogans in die geldpolitischen Angelegenheiten das Vertrauen der Finanzmarktakteure in die Währungshüter und in die Lira.

Die Abwertung der Währung birgt ein weiteres Inflationsrisiko, da das rohstoffarme Land in hohem Maß auf Importe angewiesen ist, die meist in Devisen bezahlt werden müssen und deshalb immer teurer werden. Auch die Preise für andere ausländische Güter steigen in der Folge kräftig an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. Oktober 2021 um 22:15 Uhr.