Ajmal Ahmady, Chef der Afghanischen Zentralbank

Zentralbankgeld im Ausland Taliban ohne Zugriff auf Devisenreserven

Stand: 18.08.2021 13:48 Uhr

Die Taliban haben dem afghanischen Notenbankchef zufolge keinen Zugang zu den milliardenschweren Devisenreserven des Landes. Diese liegen zum Großteil im Ausland. Die USA haben die Gelder bereits blockiert.

Nach Aussage des Zentralbankchefs haben die Taliban nach der Machtübernahme in Afghanistan keinen Zugriff auf die Devisenreserven des Landes. Die Notenbank kontrolliere insgesamt etwa neun Milliarden Dollar, schrieb deren ins Ausland geflohene Gouverneur Ajmal Ahmady auf Twitter. Davon befänden sich allein sieben Milliarden Dollar in Form von Bargeld, Gold, Anleihen und anderen Investitionen bei der US-Zentralbank (Fed).

Auch der Restbetrag lagere überwiegend nicht in afghanischen Tresoren, sondern befinde sich auf anderen internationalen Konten - etwa bei der in der Schweiz ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Bank der Notenbanken gilt. Nur maximal 0,2 Prozent der Reserven seien den Taliban daher zugänglich.

Afghanistan auf Bargeldlieferungen angewiesen

Da Afghanistan weit mehr importiert als exportiert und dadurch ein großes Leistungsbilanzdefizit aufweist, war die Zentralbank "darauf angewiesen, alle paar Wochen physische Bargeldlieferungen zu erhalten", erklärte Ahmady. "Der Betrag des verbleibenden Bargelds ist nahezu null, da die Lieferungen eingestellt wurden, nachdem sich die Sicherheitslage verschlechterte."

Die internationalen Reserven seien nicht gefährdet. "Kein Geld wurde von einem Reservekonto gestohlen", fügte Ahmady hinzu. Ein Vertreter der US-Regierung sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass den Taliban keine in den USA abgelegten Vermögenswerte der afghanischen Regierung zur Verfügung gestellt würden.

Laut mehreren US-Medien wurde der Zugriff auf die Währungsreserven auf amerikanischen Bankkonten bereits blockiert. Finanzministerin Janet Yellen habe die Konten unmittelbar nach der Eroberung der Hauptstadt Kabul durch die Taliban eingefroren, berichtete die "Washington Post". Schon zuvor war dem "Wall Street Journal" zufolge eine Bargeldlieferung der Fed in Millionenhöhe kurz vor Abflug gestoppt worden.

Auch NATO bricht Zahlungen ab

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügte die afghanische Zentralbank Ende April über Reserven von 9,4 Milliarden Dollar. Auch die NATO gab gestern den Abbruch der finanziellen Hilfen an Afghanistan bekannt. "Wir haben natürlich jede Unterstützung, finanzielle und andere Unterstützung, für die afghanische Regierung ausgesetzt. Denn es gibt keine afghanische Regierung, die von der NATO unterstützt werden könnte", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Es werde kein Geld mehr überwiesen. Deutschland setzte die Entwicklungshilfen ebenfalls aus.

Die Taliban, die jetzt Kabul kontrollieren, haben die Staatskasse ebenso wie öffentliche Einrichtungen und Regierungsbüros als Eigentum der Nation bezeichnet. Ahmady sagte, ihm sei erzählt worden, dass die Taliban Bankmitarbeiter nach dem Verbleib von Vermögenswerten befragt hätten. Er erwarte nun, dass die Landeswährung Afghani abwerten werde.

Grund dafür sei, dass die Zentralbank den heimischen Banken nicht genügend Dollar zur Verfügung stellen könne. Gleichzeitig dürften die Taliban Kapitalkontrollen anwenden, um Abflüsse ins Ausland zu verhindern. "Die Inflation wird steigen", sagte der Notenbanker. "Dies wird den Armen schaden, wenn die Lebensmittelpreise steigen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2021 um 15:00 Uhr.