Logo des Zahlungssystems Swift | picture alliance / dpa

Debatte über Sanktionen Russlands Swift-Ausschluss träfe alle

Stand: 13.01.2022 10:54 Uhr

In den USA gibt es Forderungen, Russland wegen der Ukraine-Politik aus dem Zahlungssystem Swift auszuschließen. Das hätte massive Folgen für das Land - aber auch für Energiepreise und Welthandel.

Von Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio

Vielleicht liegt das Zentrum des weltweiten Finanzsystems in einem 7000-Seelen-Örtchen in Belgien: Es heißt La Hulpe, das kommt vom Wort "Silberfluss". Von diesem Ort aus werden jeden Tag Milliardensummen koordiniert - hier sitzt das internationale Zahlungssystem Swift.

"Durch das Swift-System laufen am Tag mehr als eine Billion Dollar", sagt Zahlungsexperte Jan Oetting von der Beratungsgesellschaft Consileon. "Dafür hat man gar kein Gefühl, das ist mehrfach das Bruttosozialprodukt der ganzen Welt, das da im Jahr durchläuft."

Der Weg des Geldes mit dem Swift-System

Die Sache funktioniert ganz einfach. Will ein deutscher Unternehmer Geld versenden, gibt er einen Auftrag an seine Bank. Geht das Geld ins nicht-europäische Ausland, dann heiße der Übertragungskanal meistens Swift, erläutert Oetting. "Eigentlich ist es recht einfach: Dort schreiben Sie den Swift-Code der Empfängerbank, die Kontonummer rein - dann nimmt das Geld seinen Weg."

Von der eigenen Bank geht der Überweisungsauftrag meist zu einer Zwischenbank, oft ein großes Institut, zum Beispiel in den USA. Von dort geht es dann nach - zum Beispiel - Russland. Gewissermaßen den digitalen Überweisungsträger dazu liefert Swift.

"Atombombe nicht nur im Finanzsystem"

Manche in den USA diskutieren jetzt, Swift anzuweisen, das russische Riesenreich vom Zahlungssystem abzuklemmen, sollte die Situation am Rand der Ukraine eskalieren. Russlandprofessor Alexander Libman von der FU Berlin findet für diesen Vorstoß deutliche Worte: "Sobald russische Banken von Swift abgeschaltet werden, ist es eine Atombombe nicht nur im Finanzsystem, sondern auch im internationalen Handel, der dann massiv beeinträchtigt wird."

Denn sind die russischen Banken von Swift abgeklemmt, käme erstmal kaum Geld rein nach Russland oder raus aus dem Land. Und mit den Geldströmen würden auch die Warenströme stocken. Bei Öl und Gas hätte das gravierende Folgen, so Libman. "Wenn morgen die russischen Lieferungen einfach ausfallen, dann kann es zu einem massiven Preisanstieg auf den Gasmärkten kommen. Das wird zu weiteren Komplikationen für die europäische Wirtschaft führen."

Russland bereitet sich für den Fall der Fälle vor

Die Russen bereiten sich schon darauf vor, vielleicht abgeklemmt zu werden. Inzwischen haben sie mit einigen postsowjetischen Nachbarstaaten ein eigenes Zahlungssystem aufgebaut. Genauso wie die Chinesen.

International dürfte sich das nicht durchsetzen, aber es dürfte für einen Trick herhalten, vermutet IT-Experte Jan Oetting. "Russland und China nehmen die gleiche Struktur, die folgen demselben Datenformat wie Swift." Die Systeme seien fast gleich, man könne sie leicht kompatibel machen.

Heißt konkret: Westliche Banken könnten Geld mit Swift vielleicht in Russlands Anrainerstaaten schicken - und die dann mit dem russischen System weiter ins Riesenreich. Nur: Mehr kosten würde es - und auch etwas dauern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2022 um 09:00 Uhr.