US-Notenbankchef Jerome Powell | REUTERS

Federal Reserve Powell bleibt US-Notenbankchef

Stand: 22.11.2021 15:36 Uhr

Wer die US-Notenbank leitet, nimmt Einfluss auf das Finanzsystem weltweit. Denn der Kurs der Federal Reserve bewegt die Zinsen und den Dollar. Jetzt hat US-Präsident Joe Biden die heikle Personalie entschieden.

US-Präsident Joe Biden hat sich gegen einen von linken Demokraten geforderten Chefwechsel an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt entschieden. Jerome Powell, der bisherige Präsident der Federal Reserve (Fed), soll eine zweite Amtszeit erhalten. Hierfür hat Biden den 69-jährigen Republikaner nominiert. Powell kann damit voraussichtlich für vier weitere Jahre die US-Notenbank führen. Sein Vertrag sollte ursprünglich im Februar 2022 auslaufen.

Biden gab Powell den Vorzug gegenüber Lael Brainard. Die 59-jährige Notenbankerin war die einzige Gegenkandidatin. Die Demokratin gehört seit 2014 dem Zentralbankrat an und galt als Favoritin der Powell-Kritiker aus dem linken Flügel der Partei. Brainard war einst vom demokratischen Präsidenten Barack Obama nominiert worden.

Dennoch gewinnt auch Brainard an Einfluss. Biden nominierte die Ökonomin, die in Hamburg geboren wurde, als künftige Vizepräsidentin der Federal Reserve.

Federal Reserve Board Governor Lael Brainard  | picture alliance/AP Photo

Soll Stellvertreterin des Fed-Chefs werden: Die Ökonomin Lael Brainard. Bild: picture alliance/AP Photo

Linke Demokraten gegen Powell

Der linke Flügel der Demokraten hatte eine Ablösung von Fed-Präsident Powell gefordert. Unter anderem die bekannte Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hatte Biden aufgefordert, Powell keine zweite Amtszeit zu gewähren. Die Senatorin Elizabeth Warren nannte den Fed-Chef gar einen "gefährlichen Mann". Powell habe das US-Bankensystem durch eine weichere Regulierung geschwächt.

Brainard fuhr in der Vergangenheit einen deutlich strikteren Kurs bei der Bankenregulierung. Sie gilt aber als sogenannte "Taube" in der Geldpolitik, da sie sich für eine lockereren Kurs der Fed ausspricht. Powell gehört dagegen zum Lager der "Falken", die die Geldpolitik straffen wollen.

Signal für Unabhängigkeit der Notenbank

Die Entscheidung für Powell und gegen Brainard gilt auch als Bekräftigung des Prinzips einer unabhängigen Notenbank. Mit einer Nominierung Brainards für die Fed-Spitze hätte sich der US-Präsident nach Einschätzung des Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner angreifbar gemacht. Die Republikaner hätten Biden vorwerfen können, die Inflation anzuheizen.

Bidens Vorgänger Donald Trump hatte mit seiner Entscheidung, Janet Yellen 2018 durch Powell an der Fed-Spitze zu ersetzen, Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank geweckt. Später attackierte Trump Powell, weil dieser die Zinsen erhöhte.

Fed muss die Inflation zähmen

Die Federal Reserve steht vor einigen Herausforderungen. So will die Notenbank ab Ende des Jahres die Anleihenkäufe reduzieren, die nach dem Corona-Einbruch die Wirtschaft stützen sollten. Hinzu kommt das Problem der galoppierenden Inflation, die seit Monaten deutlich höher ist als von der Fed mittelfristig angestrebt. Die Zielmarke sind zwei Prozent. Im Oktober war die Inflationsrate aufs Jahr betrachtet sogar auf 6,2 Prozent gestiegen - so stark wie zuletzt seit 31 Jahren nicht mehr.

Die US-Notenbank vertritt weiterhin die Auffassung, dass die höhere Inflation vor allem ein vorübergehendes Phänomen infolge der Pandemie ist. Doch viele Ökonomen und Investoren werfen der Fed vor, dass sie die Inflationsrisiken unterschätzt. Mohamed El-Erian etwa, der Chefberater der Allianz, hat die Haltung der Fed zur Inflation als "größte Fehleinschätzung seit Jahrzehnten" kritisiert. Die Notenbank hätte aus seiner Sicht viel früher mit der Reduzierung der Anleihenkäufe beginnen sollen.

"In den USA ist Inflation aus dem Ruder gelaufen", sagte jüngst Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer auf der Euro Finance Week. Die Fed müsse nun handeln und womöglich 2022 die Zinsen anheben. Wegen der Aussicht auf Zinserhöhungen sei zuletzt auch der Dollar massiv gestiegen. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) wird dagegen keine baldige Zinserhöhung erwartet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. November 2021 um 17:40 Uhr.