Blick auf die Skyline von Shanghai | EPA

Lockdown-Lockerungen Shanghai will die Wirtschaft ankurbeln

Stand: 30.05.2022 12:23 Uhr

Die chinesische Metropole Shanghai hat weitere Lockerungen der strikten Corona-Maßnahmen angekündigt. Sie will die durch den Lockdown gebremste Wirtschaft rasch wieder ankurbeln.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Nach zwei Monaten striktem Corona-Lockdown in Shanghai hat die Stadt weitere Lockerungen angekündigt. Bis Mittwoch sollen Banken wieder öffnen, Kinder sollen ab dem 6. Juni teilweise wieder zur Schule gehen.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Viele Supermärkte zuletzt weiter geschlossen

Bereits vor zwei Wochen gab es die Aussicht, dass die größte Metropole Chinas bis Anfang Juni schrittweise zur Normalität zurückkehren soll. Supermärkte und Friseure waren jedoch anders als angekündigt weiter größtenteils geschlossen. Viele der mehr als 25 Millionen Einwohner dürfen ihre Wohnungen derzeit nur mit speziellen Pässen und für eine begrenzte Zeit verlassen. Manch andere sind weiter in ihren Häusern eingesperrt.

Die lokalen Behörden sind weiterhin nervös: Nach Menschenansammlungen am Wochenende wurden einige Straßen wieder mit Barrieren abgesperrt. Gleichzeitig durfte zum ersten Mal wieder ein großes Einkaufszentrum öffnen, das nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs, sondern unter anderem auch Luxusmarken verkauft.

Container hängen im Hafen fest

Die jüngsten Lockerungen in Shanghai gehen mit mehreren Maßnahmen einher, die der Wirtschaft helfen sollen, sich zu erholen. Sowohl in Shanghai als auch in anderen chinesischen Städten sind während der Lockdowns die Industrie und der Einzelhandel eingebrochen. Die Arbeitslosenquote in China ist auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren angestiegen.

Der weltweite Schiffsstau und die chinesische Null-Covid-Strategie drohen auch der deutschen Konjunktur in naher Zukunft mehr zu schaden als bislang angenommen. Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und des Rotterdamer Hafens ist die Zahl der aus China Richtung Westen fahrenden Schiffe bereits gesunken. Die Londoner Schifffahrtsberatung Drewry schätzt, dass im größten Hafen der Welt in Shanghai allein im April 260.000 für den Export in alle Welt bestimmte Container nicht verladen wurden.

Appell an Provinzen und Städte

In der vergangenen Woche hatte der chinesische Premierminister Li Keqiang eine eilige Krisen-Videokonferenz einberufen und Provinzen und Städte dazu aufgerufen, die Wirtschaft wiederzubeleben. Mit dieser Wirtschaftspolitik grenzt sich Li Keqiang zunehmend von Staats- und Parteichef Xi Jinping ab, der weiter an der strikten Null-Covid-Strategie festhält. Auf kleinste Corona-Ausbrüche reagiert die chinesische Staats- und Parteiführung mit Lockdowns, Massentests und Reisebeschränkungen, um die Fallzahlen wieder auf Null zu bringen.

Nach dem größten Corona-Ausbruch der Volksrepublik seit Beginn der Pandemie sind die Zahlen offiziellen Angaben zufolge von einem Höchststand von fast 30.000 Neuinfektionen pro Tag Mitte April auf zuletzt etwas mehr als 100 Fälle gesunken. Auch in der chinesischen Hauptstadt Peking wurden Corona-Maßnahmen wieder zurückgenommen. Museen, Bibliotheken, Theater und Fitnessstudios sind dort zum Teil mit begrenzter Personenzahl wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 11. Mai 2022 um 11:45 Uhr.