Ein Polizist steht während des Lockwons Wache in Shanghai, im Hintergrund sieht man das Bankenviertel. | EPA

Pandemie in Shanghai Lieferengpässe nach Lockdown befürchtet

Stand: 29.03.2022 09:01 Uhr

Die deutsche Wirtschaft befürchtet wegen des Lockdown in Shanghai Lieferengpässe. 70 Prozent der in China tätigen deutschen Unternehmen sind in Shanghai und Umgebung ansässig.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Schon seit Wochen sind Unternehmen in der Finanz- und Hafenmetropole Shanghai von kurzzeitigen Lockdowns von Bürogebäuden, Fabriken und einzelnen Wohnblocks betroffen. Die Logistik ist eingeschränkt, Lkw-Fahrer und Mitarbeiter in Fabriken können nicht zur Arbeit kommen, die Produktion steht teilweise still oder ist nur eingeschränkt möglich.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

"Der Lockdown wird diese Lage jetzt nochmal verschlimmern, sodass wir mit einer weiteren Reduzierung oder Stilllegung der Produktion in vielen Unternehmen rechnen müssen", sagt Maximilian Butek von der Auslandshandelskammer in Shanghai. "Dies wird natürlich auch zu Lieferengpässen in Deutschland führen."

Karte: China, Shanghai, Peking

Hotspot nach starkem Anstieg der Corona-Fälle

Dass Shanghai, die größte Metropole Chinas, einen solchen stadtweiten Lockdown verhängt - damit hatten Beobachter nicht gerechnet. Die Stadt hatte wegen der Risiken für die Wirtschaft einen strikten Lockdown wie in anderen chinesischen Städten vermeiden wollen. Doch in den vergangenen Tagen sind die Corona-Infektionen in der Stadt so stark angestiegen, dass Shanghai zu einem der landesweiten Hotspots geworden ist. Mit der Entscheidung, den Lockdown in zwei Phasen zu teilen - erst die eine Hälfte der Stadt, dann die andere Hälfte -, will die Stadt Shanghai weiterhin die Wirtschaft möglichst schonen.

Wang Dan, Chefökonomin der Hang-Seng Bank in Shanghai, hält den nun in Kraft getretenen Lockdown für die Wirtschaft für nicht unbedingt schädlicher als die kleinen, wiederkehrenden Lockdowns von Wohnblocks, Fabriken und Bürogebäuden in den vergangenen Wochen. "Die meisten Menschen in Shanghai waren bereits zwei oder drei Mal in kurzen Lockdowns, die meist zwei oder drei Tage angedauert haben. Die waren sehr zerstörerisch, weil das nicht angekündigt war." Für viele Menschen mit geringem Einkommen und Selbstständige sei das ein unerwarteter Schock gewesen. "Aber dieses Mal ist wenigstens klar, was auf sie zukommt."

Gerät Chinas Wachstumsziel in Gefahr?

Wang Dan schätzt die Auswirkungen auf die chinesische Gesamtwirtschaft wegen der Kürze des Lockdowns als eher regional begrenzt ein. Sollte jedoch ein längerer Lockdown in Shanghai verhängt werden beziehungsweise die Lockdowns immer wieder kommen, dann gehen mehrere Ökonomen davon aus, dass Chinas Ziel in diesem Jahr, ein Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent, schwer zu erreichen ist.

"Die Null-Covid-Strategie hat zu Gunsten Chinas funktioniert in den vergangenen zwei Jahren, weil sie die Stabilität der Lieferketten garantiert hat", sagt der Experte. "Deshalb war China so gut im Export und in der Produktion. Aber in diesem Jahr ist sie zu einer Belastung geworden." Die chinesische Staats- und Parteiführung hält weiterhin an der Null-Covid-Strategie fest. Die sich leichter verbreitende Omikron-Variante stellt diese Strategie seit Anfang des Jahres auf die Probe.

Die Finanzmärkte haben nervös auf den Lockdown in der internationalen Wirtschaftsmetropole in Shanghai reagiert. Aus Furcht vor einer geringeren Nachfrage aus China ziehen sich Anleger aus dem Rohölmarkt zurück.

Über dieses Thema berichtetet inforadio am 29.03.2022 um 08:36 Uhr.