ICE der Deutschen Bahn im Frankfurter Hauptbahnhof

Ausbau von Bahnverbindungen Viel Nostalgie - noch wenig Realität

Stand: 17.05.2021 13:56 Uhr

Die Bahn soll attraktiver werden - und das am besten europaweit. Dafür hat Verkehrsminister Scheuer beim dritten Schienengipfel geworben. Klar wurde aber auch: Reisende brauchen noch sehr viel Geduld.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Es klingt wie eine Reise zurück in die Vergangenheit: Der TransEuropExpress - kurz TEE - und die Verbindung Berlin-Wien, die sogenannte Via Vindobona: Zugkonzepte aus den späten 1950er-Jahren. Statt Nostalgie gehe es um Zukunft, sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer. "Mit dem Jahr der Schiene wollen wir die Menschen in ganz Europa vom grenzenlosen Bahnreisen begeistern und faszinieren. Und vor allem wollen wir Klimaziele erreichen. Denn der europäische 'Green Deal' kann nur mit einer starken Schiene gelingen", so der CSU-Politiker.

Kai Clement ARD-Hauptstadtstudio

Nachhaltigkeit, Kurzstreckenflüge durch Zugfahrten ersetzen, Reisekomfort durch engere Taktung und kürzere Fahrzeiten. Und das europaweit. Dafür haben bislang 22 europäische Verkehrsminister eine Absichtserklärung für den sogenannten TEE 2.0 unterzeichnet. Noch ohne rechtliche oder finanzielle Verpflichtungen allerdings. "Wir brauchen mutige Maßnahmen und den unbedingten politischen Willen, damit wir unser Ziel der Klimaneutralität bis 2050 in ganz Europa erreichen können", sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Deutschlandtakt lässt auf sich warten

Bis dahin soll der Hochgeschwindigkeits-Zugverkehr verdreifacht und der Schienen-Güterverkehr verdoppelt werden. Den Plan für den TEE 2.0 hat Scheuer bereits Ende vergangenen Jahres vorgelegt. Die Allianz pro Schiene begrüßt die Idee. Noch aber gebe es nicht einmal den regelmäßigen Deutschlandtakt, die Strecke Hamburg-Berlin ausgenommen. Schritt 2 also vor Schritt 1. Scheuer will das nicht gelten lassen. "Wir machen beides. Nämlich mit dem Treiber Deutschland-Takt, den wir in Deutschland gut vorbereitet haben, ist erst die Diskussion über den Europatakt entstanden", so Scheuer.

Ihre Nachtzüge hatte die Bahn vor fünf Jahren eingestellt - mit einem Verlust von damals 30 Millionen Euro pro Jahr. Nun sollen auch sie zurückkommen. Als Bausteine des TEE 2.0. Aber das wird dauern. Im Dezember soll es etwa mit Wien-München-Paris losgehen. Ende 2023 und Ende 2024 sollen weitere Strecken folgen, darunter Zürich-Barcelona.

Scheuer gegen Verbote

"Wir haben im Übrigen beim Klimaschutzprogramm 2019 auch intensiv darüber gesprochen, dass es Flüge zu Dumpingpreisen nicht mehr geben soll". Da klingt Scheuer fast wie die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die gerade für den Fall einer Regierungsübernahme den Kampf gegen Billigpreise und Kurzstreckenflüge angekündigt hat. Kein Vergleich, der dem CSU-Politiker gefällt. Er setze auf Anreize, nicht auf Verbote. Auch müssten die Grünen ihren Willen beweisen, indem sie Bauprojekte dann auch vor Ort mittragen.

Deutschland, Tschechien und Österreich haben noch eine weitere Absichtserklärung unterzeichnet: Sie wollen die "Via Vindobona" von Berlin über Dresden und Prag nach Wien ausbauen und die Fahrzeiten so erheblich verkürzen. Berlin-Wien in fünf Stunden, per Express sogar in vier. Brandenburger Tor, Frauenkirche, Karlsbrücke und Stephansdom: Sie rücken damit über die Schiene ganz dicht aneinander. Was dem Verkehrsminister schon so deutlich vor dem Auge steht, wird aber ebenfalls noch Zeit brauchen. Mitte der 2030er-Jahre peile man an, so Staatssekretär Enak Ferlemann. Und das sei noch ein ehrgeiziges Ziel.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Mai 2021 um 14:24 Uhr.