Elvira Nabiullina, Leiterin der Zentralbank in Russland | picture alliance/dpa/Ïðåññ-

Kriegsfolgen Hohe Inflation in Russland erwartet

Stand: 21.04.2022 15:57 Uhr

Russlands Experten erwarten in diesem Jahr mehr als 20 Prozent Inflation. Dennoch will die Zentralbank die Zinsen senken. Putin verharmlost die Folgen der westlichen Sanktionen für die Wirtschaft.

Russische Bankenexperten erwarten im laufenden Jahr eine Inflation in Höhe von 22 Prozent und einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 9,2 Prozent. Das geht aus einer Umfrage der russischen Zentralbank hervor. Damit verschlechtern sich die Erwartungen im Vergleich zum März weiter. Damals hatten die Bankiers angesichts der westlichen Sanktionen mit 20 Prozent Inflation und acht Prozent Rückgang beim BIP in Russland gerechnet.

Bereits jetzt hat die Inflation den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich in der Woche bis 15. April um durchschnittlich 17,62 Prozent, wie das Wirtschaftsministerium ermittelte. Seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar sind fast alle Preise gestiegen - ob Gemüse, Zucker oder Smartphones.

Zinssenkung um Inflation zu bekämpfen

Auch für das Jahr 2023 haben sich die Aussichten der Banker zwei Monate nach Beginn des vom Kreml befohlenen Kriegs gegen die Ukraine weiter eingetrübt: So erwarten die Experten nun auch für das nächste Jahr statt einem Prozent Wachstum gar keins mehr. Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina räumte vor dem russischen Parlament Probleme durch die westlichen Sanktionen ein. Die Strafmaßnahmen würden nicht nur Bereiche treffen, die viel importieren, sondern auch jene Produktion, die auf Einzelteile aus dem Ausland angewiesen sei. Sie wurde heute für weitere fünf Jahre von den Abgeordneten im Amt bestätigt.

Trotz der getrübten Aussichten und der Kapitalflucht infolge der westlichen Sanktionen erwägt die russische Zentralbank eine Zinssenkung. "Wir werden die Möglichkeit einer weiteren Senkung in den kommenden Sitzungen in Betracht ziehen", sagte Nabiullina. Um einen Absturz des Landeswährung Rubel zu verhindern, hatte die Notenbank den Zinssatz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zunächst von 9,5 auf 20,0 Prozent angehoben, mittlerweile aber wieder auf 17 Prozent zurückgenommen. Die nächste Entscheidung steht am 29. April an. Der Kampf gegen die Inflation bleibe die wichtigste Aufgabe, sagte Nabiullina.

Putin verharmlost die Situation

Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen hatte gestern erneut betont, dass der "Blitzkrieg" des Westens gegen die russische Volkswirtschaft gescheitert sei. Die Inflation sei zwar im Jahresvergleich auf ein Hoch gestiegen, stabilisiere sich aber nun, behauptete er. Auch den Rückzug westlicher Unternehmen aus Russland bezeichnete er als "Chance", sich aus der Abhängigkeit des Westens zu lösen und eigene Produktionen aufzubauen.

Zur Frage einer in Russland diskutierten Verstaatlichung verlassener Betriebe sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass es kein allgemeines Vorgehen geben könne. Jedes Unternehmen verhalte sich anders, deshalb müsse auch jeder Fall einzeln betrachtet werden. Es gebe Firmen, die ihre Pflichten gegenüber den Beschäftigten nicht erfüllten. "Sie benötigen eine besondere Aufmerksamkeit."