Roter Platz mit Basilius-Kathedrale und Kreml | AFP

Staatsanleihen USA blockieren Zinszahlungen Russlands

Stand: 05.04.2022 11:12 Uhr

Das US-Finanzministerium hat Zins- und Tilgungszahlungen für zwei russische Staatsanleihen über amerikanische Banken verhindert. Der Schritt zielt offenbar auf die von Moskau direkt gehaltenen Devisenreserven ab.

Das US-Finanzministerium will Zins- und Tilgungszahlungen von russischen Regierungskonten bei amerikanischen Banken nicht mehr zulassen. Nach Angaben aus Finanzkreisen hat das Finanzministerium der Korrespondenzbank JPMorgan keine Genehmigung erteilt, die jüngsten Zahlungen für russische Staatsanleihen zu bearbeiten.

Betroffen waren die Rückzahlung einer fälligen Anleihe in Höhe von 552,3 Millionen Dollar sowie eine Zinszahlung auf eine 2042 fälligen Anleihe in Höhe von 84 Millionen Dollar.

Guthaben eingefroren

Ziel ist laut dem US-Finanzministerium, dass Moskau nun entscheiden muss, ob es für die Zahlungen auf Devisenreserven unter seiner direkten Kontrolle zurückgreift. Diese Mittel würden dann nicht mehr für andere Zwecke inklusive der Finanzierung des Krieges zur Verfügung stehen.

Nach der russischen Invasion in die Ukraine waren die russischen Guthaben bei US-Banken bereits eingefroren worden. Das Finanzministerium hatte aber bisher die Verwendung dieser Gelder für Zinszahlungen auf in Dollar lautende Anleihen fallweise genehmigt.

Gestern hatten mehrere westliche Staaten weitere Sanktionen in Reaktion auf die mutmaßlichen russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine angekündigt.

Ist Russland weiter bereit zu zahlen?

An sich liegt es im Interesse der US-Regierung, dass westliche Gläubiger Zahlungen aus Russland erhalten. Bisher ist es Russland auch trotz der Sanktionen gelungen, einen Zahlungsausfall bei seinen internationalen Schulden zu vermeiden. Aber ob der Kreml unter den neuen Bedingungen weiter zu Zahlungen bereit ist, ist unklar.

Russland hat nun eine 30-tägige Verzugsfrist, um die Zahlungen zu leisten. Wenn es diese Frist verstreichen lässt oder in Rubel zahlt, obwohl Dollar, Euro oder eine andere Währung angegeben ist, gilt dies als Zahlungsausfall.

Internationale Gläubiger halten derzeit insgesamt 15 Anleihen der russischen Föderation mit einem Nennwert von rund 40 Milliarden Dollar. Die Ausgabe weiterer Anleihen an westlichen Finanzmärkten wurde dem Land im Rahmen der Sanktionen bis auf Weiteres verwehrt.