Dunkler Himmel über dem Kreml und der Basilius-Kathedrale im Zentrum von Moskau. | AFP

Russland bedient Anleihe Staatspleite vorerst abgewendet?

Stand: 18.03.2022 12:21 Uhr

Russland soll fristgemäß Zinszahlungen auf in Dollar notierte Staatschulden geleistet haben. Aber der komplexe Vorgang wirft Fragen auf: Kommt das Geld bei den Gläubigern auch an?

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Seit einigen Tagen gilt eine russische Staatspleite an den Finanzmärkten als ein mögliches Szenario. Russland stehe am Rande eines Zahlungsausfalls, so lautetet eine Einschätzung von Experten und Marktbeobachtern angesichts der westlichen Sanktionen, die einen großen Teil der russischen Devisenreserven faktisch wertlos machten. Hinzu kommt, dass viele russische Banken vom internationalen Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen sind.

Die Frage war aber nicht nur, ob Russland zahlen könne, sondern auch, ob überhaupt die Bereitschaft dazu bestehe. Eindeutig ist das nicht: "Es gibt durchaus für Russland das Argument, dass man sagt, 'wir behalten jetzt das Geld, da wir in Zukunft eh keine Zahlungen mehr vom Westen erwarten können'", hatte Finanzexperte Jochen Felsenheimer von Xaia Investment gegenüber tagesschau.de gesagt.  

Zahlungen sollen erfolgt sein

Vor diesem Hintergrund warteten die Akteure an den Finanzmärkten gespannt darauf, ob Russland Zinszahlungen auf zwei am Mittwoch fällig gewordene Staatsanleihen in Höhe von 117 Millionen Dollar leisten würde. Das Moskauer Finanzministerium hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Zahlungen in Dollar angewiesen zu haben. Medienberichten zufolge ist das tatsächlich geschehen: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Marktteilnehmer, dass einige Besitzer von Anteilen russischer Dollaranleihen die fälligen Zinszahlungen erhalten hätten.

Auch die "Financial Times" (FT) berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Zahlungen angewiesen worden seien. Angekommen seien die Zahlungen bei der US-Bank JPMorgan, die sie an die Citigroup weitergeleitet hätte. Die Citigroup sei als Zahlungsagent verantwortlich für die Zuteilung an die Gläubiger, schreiben FT und Reuters.    

Nachfrage beim Finanzministerium

Laut FT soll JPMorgan das US-Finanzministerium zuvor um Genehmigung ersucht haben, um sicherzustellen, dass die Weiterleitung der Zahlung an die Citigroup nicht gegen Sanktionen verstößt.

Offenbar gestalten sich derzeit russische Zahlungen auf fällige Anleihen ausgesprochen komplex: "Ich bin der Ansicht, dass man bei den Sanktionen viele Sachen verboten hat, ohne sich über die Folgen, die das für das Funktionieren des Finanzsystems haben kann, wirklich Gedanken zu machen", kommentiert Arthur Brunner, Anleiheexperte bei ICF Kursmakler im Gespräch mit tagesschau.de.  

Es sehe so aus, als hätten Russland und die USA einen Weg gefunden, die Zahlungen ankommen zu lassen, zitiert die FT Bob Michele, Marktstratege bei JPMorgan Asset Management. Für Brunner wäre das keine Überraschung: "Schließlich stünden juristische Auseinandersetzungen an, sollte das nicht geschehen. Die Frage wäre dann, was mit dem Geld passieren soll. Außerdem liegt es auch im Interesse der USA und des Westens, dass die heimischen Gläubiger russischer Staatsanleihen bedient werden", sagt Brunner.

Für den Fall, dass Zahlungen nicht geleistet würden, gäbe es noch eine 30-tägige Verzugsfrist. Wenn innerhalb dieses Zeitraums die Zahlung nachgeholt wird, gälte die Leistung noch als erfüllt und die Staatspleite wäre abgewendet.