Das Logo der russischen Airline Aeroflot auf einem Airbus A320. | REUTERS

Fehlende Ersatzteile Russische Airlines schlachten Flugzeuge aus

Stand: 09.08.2022 13:39 Uhr

Das Ausbleiben westlicher Hochtechnologie trifft Russlands Wirtschaft nach Ansicht von Experten hart. Offenbar haben russische Airlines damit begonnen, Flugzeuge für Ersatzteile auszuschlachten.

Experten hatten es bereits vermutet - jetzt gibt es konkrete Hinweise, dass russische Airlines wie die staatliche Aeroflot Flugzeuge demontieren, um an Teile zu kommen. Das bestätigten vier Brancheninsider der Nachrichtenagentur Reuters. Sie berichteten von einem nagelneuen Airbus A350, der am Boden bleibe und als Ersatzteillager fungiere. Auch eine Sukhoi Superjet-100 aus russischer Produktion, die ebenfalls viel westliche Technik enthalte, diene diesem Zweck, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Tatsächlich hatte der Kreml im Juni empfohlen, Flugzeuge für Ersatzteile auszuschlachten, damit im Ausland gebaute Jets - vornehmlich von Boeing und Airbus - bis 2025 weiter betrieben werden könnten. Der Regierungsplan sieht vor, zwei von drei Maschinen aus dem Ausland einsatzbereit zu halten.

Insbesondere die neueren Flugzeuggenerationen wie die A320neo oder die A350 von Airbus sowie die 737 MAX und die 787 von Boeing müssen ständig auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Die Flotte von Aeroflot besteht zu 80 Prozent aus Maschinen der beiden westlichen Flugzeugbauer.

Importe Achillesferse der russischen Wirtschaft

Seit den vor rund einem halben Jahr verhängten Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland sind die Techniklieferungen versiegt. Ökonomen sehen vor allem in den fehlenden Importen aus dem Westen eine Achillesferse der russischen Wirtschaft. Dringend benötigte Ersatzteile könnten bestenfalls teuer über den grauen Markt von Drittländern beschafft werden.

Aber gerade bei Hightech-Produkten wie Flugzeugteilen ist das schwierig. Firmen aus Asien und dem Nahen Osten müssen Sekundär-Sanktionen des Westens fürchten, wenn sie Teile von Airbus oder Boeing nach Russland liefern. Jedes Teil sei mit einer Nummer registriert, und der Endabnehmer müsse dem Hersteller gemeldet werden, sagte ein Insider zu Reuters. "Wenn in den Dokumenten eine russische Fluggesellschaft als Endabnehmer auftaucht, würde niemand einer Lieferung zustimmen - weder China noch Dubai."

Große Herausforderung für russische Luftfahrt

Nach Einschätzung von Experten aus dem Westen wird es daher selbst für erfahrenste russische Ingenieure eine Herausforderung, die Jets flugfähig zu halten, wenn die Sanktionen länger als ein Jahr in Kraft bleiben. Die größte Herausforderung werde es, die Triebwerke und die Elektronik funktionsfähig zu halten, erklärte Oleg Pantelejew, Leiter des Luftfahrt-Think-Tanks Aviaport. "Es wird schwierig sein, sie zu reparieren."

Nach jüngeren Daten des Portals Flightradar24 haben 50 Flugzeuge oder 15 Prozent der Aeroflot-Maschinen zuletzt nicht mehr abgehoben, zumal einige Maschinen im Ausland gestrandet sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2022 um 06:00 Uhr.