In der PCK-Raffinerie GmbH wird überschüssiges Gas in der Rohölverarbeitungsanlage verbrannt. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral
Hintergrund

Steigende Rohstoffpreise So teuer sind Weizen, Öl und Gas geworden

Stand: 04.03.2022 17:58 Uhr

Russland Krieg gegen die Ukraine hat die Preise vieler Rohstoffe auf neue Höchststände getrieben. In vielen Fällen gehören die Länder zu den wichtigsten Lieferanten der Welt. Ein Überblick.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben sich viele Rohstoffe massiv verteuert. An den Rohstoffmärkten hat sich die Angst vor Lieferausfällen und Engpässen breit gemacht. Welche Rohstoffe sind besonders betroffen?

Erdöl

Russland ist der weltweit zweitgrößte Erdölproduzent und steht für mehr als ein Zehntel der weltweiten Produktion. Ein auch ein Teilausfall der Produktion hätte erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, die schon seit Monaten vom Öl-Kartell Opec nur eher knapp versorgt werden. Zudem haben russische Öl-Verkäufer offenbar zunehmende Probleme, Abnehmer für ihre Lieferungen zu finden - auch wegen der Sanktionen des Westens. So stieg etwa der Preis der Nordsee-Sorte Brent in dieser Woche auf ein Zehn-Jahres-Hoch von knapp 120 Dollar, der Preis für US-Öl der Sorte WTI auf rund 116 Dollar.

Erdgas

Die Furcht vor Lieferausfällen hat den Preis für Erdgas im Wochenverlauf erneut nach oben getrieben, obwohl Russland seine Pipelinelieferungen zuletzt sogar leicht erhöht hat. Der europäische Preis verdoppelte sich zeitweise auf 180 Euro je Megawattstunde, lag damit aber noch unter seinem Rekordhoch vom vergangenen Dezember. Rund 40 Prozent seiner Erdgasimporte bezieht die Europäische Union aus Russland.

Kohle

Die Kohlepreis stieg in dieser Woche auf nie gesehene Höchststände von 440 Dollar je Tonne. Russland ist für Deutschland Lieferland Nummer eins, 2020 kamen 45 Prozent der importierten Hartkohle und Hartkohleprodukte wie Briketts oder Koks aus dem Land. Ein kurzfristiger Ersatz gilt als schwierig. Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Anteil russischer Lieferungen nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts sogar auf 57 Prozent. In der Ukraine gehört die Donbass-Region zu den bedeutendsten Kohlerevieren der Welt.

Weizen

Die Furcht vor Lieferengpässen hat den Weizenpreis in den USA am Freitag auf ein Rekordhoch von 13,40 US-Dollar je Scheffel getrieben. Die Ukraine gilt als "Kornkammer Europas". Zusammen mit Russland deckt die Ukraine etwa ein Viertel des weltweiten Weizenhandels ab. Der europäische Weizen-Future erreichte mit 390,75 Euro je Tonne ebenfalls einen Höchstwert.

Aluminium, Nickel, Kupfer

Die Herstellung von Industriegütern ist ohne Metalle und Metallverbindungen nicht möglich. Russland ist nach China, Australien und Brasilien der viertwichtigste Produzent. Das Land beheimatet mit Rusal und Norilsk Nickel beispielsweise die Weltmarktführer für Aluminium und Nickel. Sanktionen westlicher Staaten haben die größten Container-Reedereien der Welt dazu veranlasst, Frachtlieferungen von und nach Russland auszusetzen.

Die Gefahr von Lieferengpässen hat die Preise an den Metallbörsen zuletzt immer höher getrieben. Aluminium kostete in London mit 3732 Dollar je Tonne so viel wie noch nie. Das Leichtmetall wird für die Produktion von Autos, Flugzeugen, Konsumgütern oder Verpackungen und den Bau von Gebäuden benötigt.

Der Nickel-Preis zog bis auf 28.797 Dollar je Tonne an, der höchste Stand seit rund elf Jahren. Das Metall ist Bestandteil verschiedener Stahlsorten wie zum Beispiel Edelstahl und wird auch für Akkus von Elektroautos benötigt.

Kupfer, das so gut wie für alle elektrischen Produkte verwendet wird, verteuerte sich bis auf 10.425 Dollar je Tonne und lag damit nur knapp unter seinen langjährigen Rekordständen.

Palladium

Beim Palladium hat Russland ein besonders wichtige Position inne. Das Land ist für rund 40 Prozent der weltweiten Produktion des Edelmetalls verantwortlich. Der unter anderem in Autokatalysatoren verwendete Rohstoff verteuerte sich im Wochenverlauf auf bis zu 2960 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und lag damit nur noch minimal unter dem Allzeithoch.

Stahl

Auch beim Stahl kündigen sich Verwerfungen auf den Märkten an. Russland ist ein großer Produzent von Fertigstahl. Der russische Severstal-Konzern kündigte nach den EU-Sanktionen an, nun auf andere Märkte außerhalb Europas setzen zu wollen. Die Ukraine hat ebenfalls eine große Stahlindustrie, 2020 war sie der viertgrößte Nettoexporteur. Die Stahlbranche des Landes ist wie die Kohleförderung vor allem im ostukrainischen Region Donbass ansässig, die schon vor dem Krieg unter starkem russischen Einfluss lag.

Holz

Die deutsche Holzwirtschaft erwartet eine Knappheit bei Holzprodukten und steigende Preise. "Durch den Ausfall von Rohstofflieferungen und Arbeitskräften sind indirekte Auswirkungen auf die deutschen Importe von Holzprodukten, Möbeln und Möbelteilen aus den Nachbarländern der Ukraine, wie Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien, zu befürchten", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates, Denny Ohnesorge, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. März 2022 um 15:30 Uhr.