Fed-Chef Jerome Powell spricht bei einer Anhörung im US-Kongress | REUTERS

Steigende US-Preise Fed-Chef dämpft Inflationssorgen

Stand: 23.06.2021 09:39 Uhr

Der Chef des US-Notenbank sieht den Grund für die derzeit hohe Inflation vor allem im Anziehen der Wirtschaft. Die unerwartet starken Effekte würden aber bald verblassen, sagte Powell.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die Nachfrage in vielen Branchen ist größer als das Angebot, zwischenzeitlich steigen die Preise für Rohstoffe in den USA, Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen: All diese Effekte der anziehenden Konjunktur am Ende der Corona-Pandemie seien stärker als angenommen, hat der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, eingeräumt.

Trotzdem werde es keine Inflation, wie in den 1970er-Jahren geben, so Powell bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus. "Diese Faktoren werden mit der Zeit verblassen und wir erreichen wieder unser Ziel. Wir beobachten das sorgfältig", sagte er.

Zinserhöhungen für 2023 geplant

Das Ziel ist eine Inflationsrate von leicht über zwei Prozent. Im Mai lag die Inflation bei fünf Prozent. Zwar hat die Fed vergangenen Woche angekündigt bis Ende 2023 voraussichtlich in zwei Schritten die Leitzinsen erhöhen zu wollen. Aber kurzfristig bleibt es bei der Spanne zwischen 0 und 0,25 Prozent.

Powell musste seine Geldmarktpolitik bei der Anhörung im Repräsentantenhaus verteidigen. Der republikanische Abgeordnete Steve Scalise warf einem sichtlich genervten Fed-Chef vor, die Politik des billigen Geldes sei schädlich für hart arbeitende Familien.

Der US-Abgeordnete Steve Scalise sitzt bei einer Anhörung vor einer Tafel mit aktuellen Inflationszahlen | REUTERS

Steve Scalise kritisierte die Fed-Politik als schädlich für Familien. Bild: REUTERS

Powell entgegnete, dass gerade untere Einkommensschichten bisher nicht vom Aufschwung in den Vereinigten Staaten profitieren. "Die Realeinkommen am unteren Ende des Spektrums stagnieren im Vergleich zu den Einkommen an der Spitze", sagte er. "Die Mobilität über alle Einkommensschichten hinweg hat in den USA abgenommen und liegt nun hinter der in den meisten anderen Industrieländern."

Fed erwartet Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent

Diese Unterschiede würden die Wirtschaft der USA und das Land insgesamt zurückhalten. Und das obwohl die Fed im Moment davon ausgeht, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr mit Hilfe der billionenschweren Konjunkturpakete der Regierung um 6,5 Prozent wachsen werde.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell in der Börse am 23. Juni 2021 um 06:15 Uhr.