Mann besprüht Orchideen auf einer Orchideenfarm im Thailand | AFP

Krise bei Thailands Züchtern Wie Corona den Orchideen-Handel trifft

Stand: 22.05.2022 01:00 Uhr

Thailand ist der weltgrößte Orchideen-Exporteur. Doch in der Pandemie brach die Nachfrage ein. Nun sorgt Chinas Null-Covid-Politik dafür, dass Blumen teils verwelkt ankommen - und die Branche vor einem Desaster steht.

Von Hanna Echle, ARD-Studio Singapur

Fast liebevoll begutachtet Somchai Lerdrungwitayachai seine Orchideen. Er hat Millionen davon, denn er besitzt eine 20 Hektar große Orchideenfarm im Westen Bangkoks. Seine Spezialität sind Orchideen der Spezies Dendrobium Sonia mit ihren typisch weiß-pinken Blättern.

Das Land der Orchideen

Die Blumen haben eine lange Tradition in dem Land, das sich unter anderem auch als "Land der Orchideen" bezeichnet. Die filigranen Pflanzen stehen in Thailand für Gastfreundschaft. Vor rund hundert Jahren wurden Orchideen hier noch als reines Luxus-Hobby gezüchtet. Doch begünstigt durch das ideale Klima entwickelte sich Thailand schnell zum Weltmarktführer in Orchideenzucht und -export und gab den Titel seit Ende der 1970er-Jahre nicht mehr her.

Der Handel mit Orchideen war ein lukratives Millionengeschäft - bis die Corona-Pandemie kam und die Nachfrage plötzlich einbrechen ließ.

Orchidee blüht auf einer Orchideenfarm in Thailand | AFP

Orchideen gelten als Luxus-Blumen - die Nachfrage brach in der Pandemie stark ein. Bild: AFP

Luxus-Blumen in der Pandemie nicht gefragt

Kaum eine andere Blume steht mehr für Luxus als Orchideen. Sie werden in Massen für Hochzeiten bestellt, Hotels schmücken damit ihre Eingangshallen - vor allem in den Hauptabnehmerländern China, Vietnam, Japan und den USA.

Als die Bestellungen schlagartig ausblieben, stürzten die thailändischen Orchideenzüchter in eine Krise, von der sie sich bis heute nicht erholt haben. Eine von fünf Orchideen-Farmen musste schließen und auch Somchai zahlte die Gehälter seiner rund 50 Angestellten aus Rücklagen, um seine Orchideenzucht über Wasser zu halten.

Unwägbare Lieferzeiten nach China

Wie auch in vielen anderen Branchen macht Chinas Umgang mit dem Coronavirus den Orchideenzüchtern am meisten zu schaffen. Exportierte Thailand vor der Pandemie insgesamt rund 270 Millionen Orchideen pro Jahr nach China, sind es jetzt nur noch 170 Millionen.

Auch für Somchai ist dies problematisch. Er lieferte früher rund 80 Prozent seiner Orchideen mit eigenen Lieferwagen direkt zum chinesischen Verkehrsknotenpunkt Kunming - nicht ohne sie vor ihrer Reise perfekt für den Transport zu präparieren: Die geschnittenen Blumen werden getrimmt und in eine Tüte mit vitaminreicher Nährlösung gesteckt, damit sie möglichst lange halten. Doch dauerte ein Transport auf dem Landweg zuvor drei bis vier Tage, benötigt man nun mindestens zehn bis 14 Tage.

Die strikte No-Covid-Politik des Landes führt zu umfangreicheren Kontrollen. Manchmal wird eine Lieferung durch einen Lockdown auch ganz ausgebremst. Im Blumen-Business ist das natürlich ein großes Problem: Die Blumen sind oft schon verwelkt, bevor sie an ihren Zielorten ankommen.

Keine Unterstützung der Regierung

Auch die großen Blumenexporteure in Bangkok spüren, dass die Geschäfte nicht mehr so gut laufen wie früher. Wuthichai Pipatmanomai ist Vize-Präsident der "Thai Orchid Exporter Association" und Mitbesitzer eines großen Blumenhandels. Er liefert nur noch 1,2 Millionen statt 3,6 Millionen Orchideen im Monat aus und musste der Hälfte seiner Belegschaft bereits kündigen.

Auf finanzielle Unterstützung der Regierung wartet er bis jetzt vergebens. "Wir haben große Probleme", sagt er. Denn nicht nur die Pandemie, auch der Krieg in der Ukraine hat direkte Auswirkungen auf seinen Blumenhandel. Steigende Preise für Benzin, Dünger und Pestizide zwangen Wuthichai, seine Orchideen um 20 Prozent teurer zu verkaufen - sehr zum Missfallen seiner Geschäftspartner vor allem in Europa, die sich nun lieber auf einheimische Blumen konzentrieren. Wie alle hofft Wuthichai auf eine schnelle Verbesserung der Situation. Er befürchtet: "Wir haben nicht mehr viel Zeit."