Opec | picture alliance / Alexey Vitvitsky/Sputnik/dpa

OPEC+-Staaten uneins Gerangel um die Ölförderung

Stand: 05.01.2021 12:14 Uhr

Das erweiterte Ölkartell OPEC+ hat sich bei den Verhandlungen in Wien bislang nicht auf eine Steigerung der Ölförderung einigen können. Das Bündnis der Ölförderländer steht unter Spannung.

Die OPEC und ihre zehn Kooperationspartner in der OPEC+ sind weiter uneins über eine mögliche Anhebung der Fördermenge ab Februar. Die sechsstündigen Beratungen am Montag seien zunächst ohne Ergebnis geblieben, berichteten mehrere russische Nachrichtenagenturen am Abend übereinstimmend. Die Gespräche sollen heute weitergehen.

Partnerschaft "für die Ewigkeit"?

Die Uneinigkeit um die Fördermengen innerhalb des Bündnisses ist eine Dauerbelastung für die OPEC+. Das erweiterte Kartell umfasst neben den derzeit 13 traditionellen Mitgliedern der OPEC auch zehn Partnerstaaten, insbesondere Russland, Kasachstan, Oman und Mexiko. Zusammen stehen die Partner für etwa die Hälfte der weltweiten Förderung. Im Jahr 2019 besiegelte ein Vertrag die Kooperation. Saudi-Arabien und Russland verbinde eine "Partnerschaft für die Ewigkeit", ließ man damals verlauten.

Daran durfte aber von Anfang an gezweifelt werden. Vor allem zwischen Russland und Saudi-Arabien gibt es einen unterschwelligen Zwist um die Förderungsstrategie und damit den Versuch, den Weltmarktpreis für Rohöl zu beeinflussen. Während Russland auch beim derzeitigen Treffen auf eine Ausweitung der Produktion drängt, warnte Saudi-Arabien vor dem Aufdrehen des Ölhahns. Die OPEC und ihre Kooperationspartner müssten angesichts zuletzt gestiegener Ölpreise der Versuchung widerstehen, schon jetzt die Produktionsbegrenzungen noch mehr zu lockern, sagte der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman zum Auftakt.

Schrittweise Erhöhung

Dagegen hatte sich Russland für eine Ausweitung der Förderung ab Februar um weitere 500.000 Barrel am Tag ausgesprochen. Energieminister Alexander Nowak äußerte sich zuversichtlich, dass sich der Markt 2021 erholen werde. Die Allianz müsse so bald wie möglich zu einem normalen Förderniveau zurückkehren. Die OPEC+ hatte im April 2020 mit der historisch einmaligen Förderkürzung von rund zehn Millionen Barrel auf die eingebrochene Nachfrage wegen der Corona-Krise reagiert. Die Ölpreise waren zwischenzeitlich abgestürzt und hatten sich erst in den vergangenen Monaten wieder erholt. Seit Jahresbeginn hat die Allianz, die rund 45 Prozent der globalen Ölproduktion liefert, ihre Produktionsmenge wieder um 500.000 Barrel erhöht.

Die unterschiedlichen Auffassungen spiegeln auch strategische und haushaltspolitische Erwägungen beider Großproduzenten wider. Russland braucht nach Experteneinschätzungen einen Ölpreis von mindestens 40 Dollar je Barrel (Fass mit 159 Litern), um langfristig profitabel zu produzieren. Saudi-Arabien hat bei seiner Preispolitik gleich mehrere Faktoren zu beachten. Einerseits braucht das Land ebenfalls einen hohen Ölpreis, um seinen Haushalt zu finanzieren. Andererseits sorgt ein zeitweise niedriger Preis dafür, dass die Ölproduktion in den USA über die Fracking-Technik weniger attraktiv ist. Damit wird die Rolle der Vereinigten Staaten als Ölexporteur tendenziell geschwächt.

Corona-Auswirkungen schwer kalkulierbar

Rohstoffexperten sehen den Ölpreis in den kommenden Monaten bestenfalls zwischen 50 und 60 Dollar je Fass pendeln. Viel hängt dabei davon ab, wie schnell die Konjunktur und damit die Ölnachfrage nach der Bewältigung der Corona-Pandemie wieder steigt. Die Corona-Impfungen seien zwar ein großer Schritt, aber in manchen Bereichen sei die Ölnachfrage weiter schwach und fragil, hieß es wenig euphorisch von der OPEC+-Konferenz in Wien dazu.