Erdölförderung | REUTERS

Reaktion auf Preisverfall OPEC+ kürzt Ölförderung

Stand: 05.10.2022 17:01 Uhr

Ungeachtet der Ängste vor einer weltweiten Rezession durch die hohen Energiepreise hat sich die OPEC+ auf eine Drosselung der Ölförderung geeinigt. Damit reagiert das Kartell auf den jüngsten Preisverfall.

Das Ölkartell OPEC+ hat sich trotz der Sorgen über eine durch hohe Energiepreise ausgelöste weltweite Rezession auf eine gedrosselte Förderung verständigt. Von November an wird der Verbund aus 23 Staaten zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich weniger fördern, wie die OPEC heute mitteilte. Es ist die umfassendste Verringerung der Produktion seit langem.

Die Maßnahme des erweiterten Kartells, zu dem auch Russland gehört, ist eine Reaktion auf die gesunkenen Ölpreise, denen mit einem verringerten Angebot begegnet werden soll. Wegen der Angst vor einer globalen Rezession und damit einer sinkenden Nachfrage, dem starken Dollar sowie steigenden Zinsen waren sie zuletzt auf etwa 90 Dollar je Barrel und seit Juni um bis zu 30 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Vor drei Monaten lagen sie noch bei 120 Dollar. Ende September erreichten die Preise nun das niedrigste Niveau seit Januar.

Reduzierte Fördermengen machen wohl kaum einen Unterschied

Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der großen Ölnationen, die gemeinsam einen Marktanteil von 40 Prozent haben, hatten Meldungen über die bevorstehende Förderkürzung die Preise gestützt. Alleine gestern stieg der Preis eines Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 3,6 Prozent auf 92,04 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,97 Dollar auf 86,57 Dollar.

Nun gaben sie wieder ein wenig nach: Heute kostet ein Barrel (159 Liter) Brent 91,48 US-Dollar und damit 32 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 44 Cent auf 86,08 Dollar. Händler sprachen von einer Gegenbewegung nach den starken Kursgewinnen.

"Die beabsichtigte Produktionskürzung würde den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht bringen", schrieben die Rohstoffexperten der Commerzbank vor dem Treffen der Organisation aus 23 Ländern in Wien. "Denn von der beschlossenen Produktionskürzung würde in Realität nur rund die Hälfte umgesetzt werden." Schließlich würden viele Länder der OPEC+ weniger produzieren als vereinbart und ein reduziertes Produktionsziel würde für sie keinen Unterschied machen. Dies gelte insbesondere für Angola, Nigeria und Russland. Trotz der westlichen Sanktionen gegen Russland sei der Ölmarkt gut versorgt.

Biden-Regierung macht Druck auf die OPEC+

Da die OPEC+ seit längerem Probleme hat, die vereinbarte Fördermenge einzuhalten, fällt die Produktionskürzung in der Realität also faktisch geringer aus. Dennoch hatte bis zuletzt besonders die US-Regierung um Präsident Joe Biden Insidern zufolge Druck auf den Zusammenschluss gemacht, auf eine Verknappung des Angebots zu verzichten. "Höhere Ölpreise, wenn sie durch beträchtliche Produktionskürzungen angetrieben werden, würden die Biden-Regierung vor der US-Zwischenwahlen wahrscheinlich verärgern", schrieben die Analysten der Citi. "Es könnte weitere politische Reaktionen aus den USA geben, einschließlich zusätzlicher Freisetzungen von strategischen Vorräten." Die Experten von JP Morgan schließen ebenfalls nicht aus, dass Washington durch die Freigabe weiterer Ölvorräte Gegenmaßnahmen ergreifen werde.

Auch der "No Oil Producing and Exporting Cartels Act", kurz Nopec, könnte den Citi-Analysten zufolge auf den Weg gebracht werden. Dieses Gesetz würde den Weg für Kartellklagen frei machen - mit dem Ziel, Verbraucher wie Unternehmen in den USA vor künstlich herbeigeführten Preissteigerungen bei Benzin und Heizöl zu schützen. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass die OPEC+ mit Lieferkürzungen die Preise absichtlich nach oben getrieben haben.

Die USA wollen die Ölpreise unter anderem senken, um Russland wegen des Krieges gegen die Ukraine die Öleinnahmen zu entziehen. Saudi-Arabien, das mit Russland gemeinsam den Ölverbund anführt, hat das Vorgehen Moskaus bislang nicht verurteilt. Die Beziehungen zwischen dem Königreich und der US-Regierung von Biden gelten daher als angespannt. Ein niedrigerer Ölpreis könnte außerdem helfen, die globale Konjunktur wieder anzukurbeln.