Ölpumpen

Folge des Ukraine-Kriegs Ölpreis steigt dramatisch

Stand: 07.03.2022 08:08 Uhr

Die Angst vor den Folgen des Ukraine-Kriegs hat den Ölpreis zeitweise auf fast 140 Dollar pro Fass getrieben. Das ist der höchste Stand seit 2008. Experten halten noch weit höhere Preise für möglich.

Ein möglicher Importstopp für Öl aus Russland hat die Ölpreise zum Wochenauftakt zeitweise auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Im frühen Handel stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zeitweise um knapp 18 Prozent auf 139,13 Dollar und lag damit in der Nähe des Rekordniveaus von fast 150 Dollar aus dem Sommer 2008. Zuletzt legte der Brent-Preis knapp elf Prozent oder 12,57 Dollar auf 130,67 Dollar zu. Damit beschleunigte sich der Anstieg des Ölpreises der vergangenen Tage.

Seit der Invasion Russlands in die Ukraine verteuerte sich der Brent-Preis um rund ein Drittel, nachdem er bereits in den Wochen davor angezogen hatte. Seit Ende 2021 zog der Kurs um rund zwei Drittel an. Ähnlich sieht die Entwicklung beim Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) aus. Am Morgen zog der WTI-Preis um gut neun Prozent oder rund elf Dollar auf mehr als 126 Dollar an, nachdem er zuvor erstmals seit 2008 zeitweise über der Marke von 130 Dollar gelegen hatte.

Bald 200 Dollar pro Barrel?

Russland ist der weltweit drittgrößte Ölproduzent. Schon vor dem Ukraine-Konflikt waren die Preise hoch, da die sich nach der Corona-Krise erholenden Länder weltweit ihre Wirtschaft hochfuhren und große Mengen Öl nachfragten.

Fachleute rechnen mittlerweile mit noch höheren Preisen: "Wenn der Westen den Großteil der russischen Energie-Exporte abschneidet, wäre das ein großer Schock für die Weltmärkte", sagte Ethan Harris, Chefökonom der Bank of America (BofA). Dies könnte zu einem Anstieg des Ölpreises auf bis zu 200 Dollar pro Barrel führen und das Wirtschaftswachstum weltweit drücken.

Es droht ein Embargo für russisches Öl

Die USA und die EU beraten derzeit über ein mögliches Verbot von russischen Ölimporten. Es gebe "sehr aktive Diskussionen" zu dem Thema, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Sonntag dem US-Sender CNN. Die Regierung von Präsident Joe Biden steht unter wachsendem politischen Druck, die Sanktionen gegen Russland auf den Energiebereich auszuweiten. Bisher wurde dieser Sektor von den Maßnahmen, die der Westen ergriffen hat, weitgehend verschont.

Die Sprecherin des US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, betonte, die Parlamentskammer arbeite an Gesetzen, die Russland weiter von der Weltwirtschaft isolieren sollten. Dazu gehöre ein Importverbot für russisches Erdöl.

Auch in Japan wird ein Importstopp diskutiert, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo heute unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.  

Was wird aus dem iranischen Atomabkommen? 

Ob die Rückkehr iranischen Öls auf den Weltmarkt zu einer deutlichen Entlastung auf dem Ölmarkt führen wird, ist zumindest zweifelhaft. Sollte es zu einer Vereinbarung und damit der Aufhebung von Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms kommen, könnte der Iran zwar wieder deutlich mehr Erdöl exportieren. Die möglichen zusätzlichen Liefermengen seien aber nicht genug, um einen drohenden Ausfall der russischen Exporte auszugleichen, warnt Analystin Helima Croft von der Investmentbank RBC Capital Markets.

Außerdem verzögert sich eine Einigung aufgrund der Haltung Russlands. Die Vereinbarung mit dem Iran stehe zwar vor dem Abschluss, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Allerdings seien "in letzter Zeit Probleme aus der Sicht der Interessen Russlands aufgetreten".

Lawrow verwies auf die "Lawine aggressiver Sanktionen, die der Westen wegen des Ukraine-Konflikts losgetreten hat". Moskau gehe es um "uneingeschränkten Handel, wirtschaftliche und investive Zusammenarbeit sowie militärisch-technische Kooperation mit dem Iran".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. März 2022 um 04:48 Uhr.