Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck | dpa

Schritt gegen Preissprung Bund gibt Teil der Ölreserven frei

Stand: 02.03.2022 16:21 Uhr

Um den heftigen Preisanstieg auf dem Ölmarkt infolge des Ukraine-Kriegs zu bremsen, hat die Bundesregierung einen Teil der nationalen Ölreserve freigegeben. Das gab es zuvor erst drei Mal.

Zur Beruhigung der Lage am Ölmarkt hat die Bundesregierung die Freigabe eines Teils der nationalen Ölreserve veranlasst. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium der Nachrichtenagentur dpa mit. "Wir leisten damit einen Beitrag im internationalen Konzert. In Zeiten wie diesen ist es wichtig, geschlossen zu handeln", erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Der international abgestimmte Schritt dient demnach der Stabilisierung der Preise, die infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stark gestiegen waren. Experten werteten die Preisanstiege als Anzeichen erster Lieferstörungen, so das Ministerium. Derzeit gebe es in Deutschland keine Einschränkung der Versorgung mit Öl.

Drei Prozent der deutschen Ölreserve

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte gestern in Paris mitgeteilt, insgesamt würden die 31 Mitgliedsländer 60 Millionen Barrel Rohöl freigeben. Dadurch sollen infolge des Krieges von Russland gegen die Ukraine Angebotsengpässe und die Preisrally abgemildert werden.

US-Präsident Joe Biden kündigte in seiner Rede zur Lage der Nation an, die Hälfte der Menge zu tragen. "Die Vereinigten Staaten haben mit 30 anderen Ländern zusammengearbeitet, um 60 Millionen Barrel Öl aus den Reserven der ganzen Welt freizugeben", sagte Biden vor dem Kongress in Washington. "Amerika wird diese Bemühungen anführen und 30 Millionen Barrel Öl freigeben."

Auch Deutschland ist Mitglied der Internationalen Energieagentur (IEA). Daher leiste das Land ebenfalls einen Beitrag entsprechend dem deutschen Anteil am Erdölverbrauch der IEA-Mitglieder von 5,4 Prozent, so das Wirtschaftsministerium. Bezogen auf die insgesamt auf den Markt zu bringende Menge von 60 Millionen Barrel seien das 434.000 Tonnen Öl. Dies entspreche rund drei Prozent der deutschen Erdölreserve - verringere die Reichweite der strategischen Reserven jedoch nur auf die gesetzlich vorgegebenen 90 Tage, da derzeit die Erdölreserven mit 93 Tagen über dem festgelegten Soll lägen.

Historischer Schritt

Der sogenannte Erdölbevorratungsverband, der in Deutschland die strategische Ölreserve sichert, hält laut Ministerium jederzeit Erdöl und Erdölerzeugnisse in Höhe der in einem Zeitraum von 90 Tagen netto nach Deutschland eingeführten Mengen vor. Das sind demnach etwa 14 Millionen Tonnen Rohöl und neun Millionen Tonnen fertige Mineralölerzeugnisse. Das Rohöl werde vorwiegend in Kavernen in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann.

In Deutschland wurden nach Angaben des Ministeriums bislang erst drei Mal strategische Ölreserven freigegeben, jeweils aufgrund eines gemeinsamen Beschlusses der Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur. Die Anlässe waren demnach der Golfkrieg 1990/91, die von den Hurrikanen "Katrina" und "Rita" 2005 angerichteten Schäden in den USA sowie der Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. März 2022 um 17:00 Uhr.