Mitarbeiter von Mercedes-Benz überwachen im Werk in Bremen, wie ein Roboter in das C-Klasse Hybrid Modell eine Batterie einsetzt. | dpa

OECD revidiert Prognose Weniger Wachstum in Deutschland

Stand: 21.09.2021 13:54 Uhr

Die Aussichten der deutschen Wirtschaft für das laufende Jahr haben sich eingetrübt. Wegen der anhaltenden Lieferengpässe dürfte das Wachstum in diesem Jahr nur noch 2,9 Prozent betragen, erwartet die OECD.

Während sich die Wirtschaft in Europa in diesem Jahr kräftig erholen dürfte, fällt Deutschland bei den Wachstumsaussichten zurück. So sehen es zumindest die Experten der Industriestaaten-Organisation OECD. Sie haben in ihrem neuesten Ausblick ihre Prognose für Deutschland nach unten revidiert und erwarten, dass das hiesige Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur noch um 2,9 Prozent zulegen wird. Im Mai waren noch 3,3 Prozent vorhergesagt worden.

Damit landet Deutschland auf dem 17. Platz der 20 von der OECD untersuchten Länder, hinter Indonesien und nur knapp vor Russland. Noch schwächer geht es in Japan voran. Dort wird für dieses Jahr ein Plus der Wirtschaftsleistung (BIP) von lediglich 2,5 Prozent erwartet.

Lieferengpässe belasten

Grund für die schwächelnde Erholung hierzulande sind die anhaltenden Lieferprobleme in der Industrie. "Die stark in den globalen Handel eingebundene Autoindustrie und das Verarbeitende Gewerbe insgesamt sind besonders hart von den weltweiten Lieferengpässen und Logistikschwierigkeiten betroffen", begründete die Leiterin des OECD Berlin Centre, Nicola Brandt, die Prognosesenkung für das laufende Jahr. "Das hat natürlich die Erholung der deutschen Wirtschaft verlangsamt." Zudem war Europas größte Volkswirtschaft wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr mit knapp fünf Prozent weniger stark eingebrochen als die der meisten anderen Staaten der Eurozone.

Die OECD macht deshalb auch Hoffnung auf Besserung. So bleibe die Nachfrage nach deutschen Industriegütern weiter stark, heißt es. "Wir erwarten ab dem vierten Quartal eine allmähliche Auflösung der Lieferengpässe und dann auch eine stärkere Erholung", sagte Brandt der Nachrichtenagentur Reuters.

Höheres Wachstum im nächsten Jahr erwartet

Die OECD-Experten haben deshalb ihre Prognose für 2022 von 4,4 auf 4,6 Prozent angehoben. Für die Eurozone insgesamt prophezeit die OECD eine gegenläufige Entwicklung. So dürfte die Wirtschaft in den 17 Staaten der Eurozone in diesem Jahr anstatt der im Mai prognostizierten 4,3 Prozent um 5,3 Prozent zulegen. Grund für die aufgehellten Erwartungen ist die ungewöhnlich kräftige Konsumnachfrage in Frankreich, dessen Wirtschaft im laufenden Jahr um 6,3 Prozent steigen dürfte. Für Italien erwarten die OECD-Experten ebenfalls einen starken Anstieg von 5,9 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte sich das Wachstum in der Eurozone aber wieder abschwächen und mit einem Plus von 4,6 Prozent dem deutschen Rhythmus angleichen.

Für die Weltwirtschaft rechnet die OECD in diesem Jahr mit einem Wachstum von 5,7 Prozent (bisher: 5,8), dem im kommenden Jahr ein Plus von 4,5 Prozent (bisher: 4,4) folgen soll. "Ein starker Aufschwung in Europa, die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher fiskalischer Unterstützung in den Vereinigten Staaten im nächsten Jahr und ein verringertes Sparen der Haushalte werden die Wachstumsaussichten in den Industrieländern verbessern."

Auch US-Wirtschaft dürfte langsamer erwachsen

OECD-Generalsekretär Mathias Cormann erklärte das kräftige Plus mit dem "entschlossenen Handeln der Regierungen auf dem Höhepunkt der Krise". Der Fortschritt sei jedoch ungleichmäßig. "Um eine nachhaltige und möglichst umfassende Erholung zu sichern, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich - von wirkungsvollen Impfkampagnen in allen Ländern bis hin zu konzertierten öffentlichen Investitionsstrategien, die den Boden für die Zukunft bereiten. Tatsächlich bestehen in vielen Ländern, insbesondere in den Schwellenländern, weiterhin Produktions- und Beschäftigungslücken." Das gelte vor allem für jene Staaten, in denen die Impfquoten niedrig seien.

Für die US-Wirtschaft wurde die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 6,9 auf 6,0 Prozent gesenkt, dafür für 2022 von 3,6 auf 3,9 Prozent angehoben. Noch schneller dürfte das chinesische Bruttoinlandsprodukt wachsen: Die Vorhersagen von 8,5 Prozent in diesem und von 5,8 Prozent im kommenden Jahr wurden bestätigt.