Banknoten verschiedener Währungen | REUTERS

Entscheidung der Notenbanken Zinsen rauf gegen die Inflation?

Stand: 22.09.2022 17:09 Uhr

Es ist die "Woche der Notenbanken". Gestern die US-Notenbank Fed - heute äußerten sich fünf weitere Notenbanken zur Zinspolitik. Die Herausforderung ist überall gleich: Wie bekommt man die Inflation in Griff?

Von Constantin Röse, ARD-Börsenstudio

In Schweden ein ganzer Prozentpunkt, in Großbritannien ein halber, in Norwegen ein viertel Prozentpunkt: Fast überall drehen Notenbanken in diesen Tagen an der Zinsschraube. Die meisten haben dabei ein Ziel: Die hohe Inflation bekämpfen. Doch je größer ein Zinsschritt, desto höher auch die Gefahr, dass das Wirtschaftswachstum einen Dämpfer bekommt. Menschen konsumieren dann weniger, Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, weil Kredite teurer werden.

Der Chef der US-Notenbank FED, Jerome Powell, kennt die Probleme. Er wünschte sich, es gäbe einen schmerzlosen Weg, sagt er, Doch den gebe es nicht. Die Bekämpfung der Teuerung ist in den meisten Ländern ein Balance-Akt.

Unterschiedliche Länder, unterschiedliche Ursachen

Das Besondere dabei: Die Ursachen für die steigenden Preise sind nicht überall gleich. Hier in Deutschland sind es die hohen Energiepreise, die die Inflation nach oben treiben. Die Amerikaner haben ganz andere Sorgen: Öl und Gas sind so reichlich vorhanden, dass sie ihren Bedarf mit eigenen Ressourcen decken könnten.

Ihr Problem ist die hohe Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Der Bedarf sei so groß, weshalb die Preise steigen, erklärt Chefökonom Michael Heise von HQ Trust. "Das bedeutet, dass eben Zinssteigerungen der Notenbank stärker durchwirken auf die Inflation und das Inflationstempo deutlich schneller bremsen können, als das möglicherweise hier in Europa der Fall ist", so Heise.

Ein Patentrezept gegen hohe Inflationsraten gibt es aber nicht - zu verschieden ist die Ausgangslage in jedem Land. Warum viele Notenbanken jetzt aber mit hohen Zinsschritten reagieren, hat einen weiteren Grund, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege von Capitell: "Ich glaube, die Notenbanken haben in Summe zu lange gezögert und gezaudert, und dadurch müssen sie jetzt, um der Inflation Herr zu werden, tatsächlich sehr, sehr entschlossen handeln."

Hohe Zinsen: Gekommen, um zu bleiben?

Die Lage sei kompliziert, und die nun simultane Straffung der Geldpolitik provoziere auch neue Probleme, warnt die Weltbank. Sie fürchtet, dass die Welt einer globalen Rezession und einer Abfolge von Finanzkrisen in Schwellen- und Entwicklungsländern entgegensteuert.

Für Notenbanken bleibe es ein Abwägen - und ein Spiel auf Zeit, sagt Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Deka-Bank. "Und deswegen ist Geduld bei der Inflationsbekämpfung notwendig, es dauert ein, zwei Jahre", so Kater. Und: "Es bedeutet, dass diese Zinsen, die jetzt zurückgekommen sind, eben auch bleiben werden und bleiben müssen."

Denn auf Knopfdruck geht die Inflation nicht sofort weg. In Europa liegt der Leitzins aktuell bei 1,25 Prozent, in Großbritannien künftig bei 2,25 Prozent, in den USA bei bis zu 3,25 Prozent. Anders das Bild in der Schweiz: Hier beendete die Nationalbank heute jahrelange Negativzinsen. Der Leitzins liegt dort bei 0,5 Prozent. Die Inflationsrate ist allerdings auch deutlich kleiner als hierzulande.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. September 2022 um 13:41 Uhr.