Norwegische Kronen | picture alliance / photothek

Staatliche Altersvorsorge Norwegens Staatsfonds verdient Milliarden

Stand: 27.01.2022 17:44 Uhr

Norwegens Staatsfonds hat im vergangenen Jahr erneut einen dreistelligen Milliardengewinn eingefahren. Der Pensionsfonds profitierte stark vom Boom am Aktienmarkt. Doch nun stellt er sich auf magere Zeiten ein.

Der norwegische Staatsfonds hat im vergangenen Jahr blendend verdient. 2021 erwirtschaftete der Pensionsfonds einen Gewinn von 1,58 Billionen Kronen (158 Milliarden Euro) und erreichte damit eine Rendite von 14,5 Prozent. Damit übertraf der Fonds sogar seine Benchmark um 0,74 Prozentpunkte. Das heißt, der Fonds lief besser als zuvor erwartet worden war. Das teilte die Norwegische Notenbank heute mit.

Norwegens Staatsfonds gehört zu den größten rohstoffbasierten Staatsfonds der Welt. Der Staat investiert durch den Pensionsfonds seit Jahren die Einkünfte aus der Öl- und Gasproduktion an den globalen Finanzmärkten, er hält Beteiligungen an rund 9100 Unternehmen weltweit. Darüber hinaus investiert der Fonds in Anleihen, nicht börsennotierte Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien. Das Land legte den Fonds bereits in den 1990er-Jahren auf, um die umfangreichen Leistungen des Sozialstaats zu finanzieren und sich vor Schwankungen an den Rohstoffmärkten zu schützen.

Starke Renditen mit Tech- und Finanzaktien

In diesem Jahr konnte der Fonds vor allem durch das kräftige Wachstum der Aktienmärkte profitieren. "In allen Branchen gab es eine gute Rendite, aber besonders gut entwickelten sich die Investitionen in Technologie und Finanzen", sagte Nicolai Tangen, Chef im Norges Bank Investment Management. Die höchsten Renditen erreichten nach Angaben von Tangen die Aktien des Technologiemarkts: Hier konnten Renditen von über 30 Prozent erwirtschaftet werden. Am besten schnitten Aktien von Microsoft, Alphabet und Apple ab. Und auch im Immobiliensektor lief es 2021 gut, nachdem im Vorjahr die Pandemie das Geschäft belastet hatte.

Nicolai Tangen warnte allerdings davor, dass diese Entwicklung nicht so weitergehen werde: "Dieser fantastische Aufstieg, den wir in den letzten 25 Jahren gesehen haben, wird sich nicht fortsetzen. Die Zinssätze sind derzeit so niedrig wie nie und die Aktien auf einem Rekordhoch. Von jetzt an wird sich die Stimmung ändern." Man bereite sich auf "ein Jahrzehnt niedriger Renditen" vor, sagte Tangen jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Höhere Zinsen könnten zu enormen Verlusten führen

Tangen spielt dabei auf die geplanten Zinserhöhungen der US-Notenbank an. Die Aussicht auf eine erste Leitzinsanhebung im März versetzt die Finanzmärkte seit Tagen in Alarmbereitschaft und sorgte vor allem bei den Tech-Werten für einen Ausverkauf. "Ob dies der Beginn eines größeren Rückgangs ist oder ob wir bei den Tech-Werten eine Erholung bekommen werden, wissen wir nicht", so Tangen.

Werden die Zinsen weltweit angehoben, dürfte das den Fonds mehrfach treffen. Denn höhere Leitzinsen machen die Investitionen in risikoreiche Anlagen wie Aktien unattraktiver. Es könne zu Rückgängen im Wert des Gesamtportfolios kommen, "wie wir sie noch nie erlebt haben", sagte der Hedgefondsmanager bereits im Sommer vergangenen Jahres.