Die Flagge von Norwegen | REUTERS

Fast zehn Prozent Rendite Milliardengewinn für Norwegens Staatsfonds

Stand: 18.08.2021 19:15 Uhr

Seine umfangreichen Sozialleistungen finanziert Norwegen über einen Staatsfonds, der Öleinnahmen vor allem in Aktien investiert. Der Technologie-Boom an der Börse hat dem Staat hohe Einnahmen gebracht.

Seit Jahren investiert Norwegen seine Einnahmen aus der Öl- und Gasproduktion über einen Staatsfonds an den Finanzmärkten - mit Erfolg. Allein im ersten Halbjahr 2021 erwirtschaftete der Pensionsfonds Ausland, auch Ölfonds genannt, eine Rendite von 9,4 Prozent.

Der starke Anstieg globaler Aktien, insbesondere der Energie-, Finanz- und Technologiewerte, brachte dem Fonds zwischen Januar und Juni insgesamt 990 Milliarden Kronen (rund 95 Milliarden Euro) ein, wie der weltgrößte Staatsfonds heute mitteilte. Das entspricht etwa 17.000 Euro für jeden Norweger. Der rund 1,2 Billionen Euro schwere Fonds investiert in mehr als 9100 Unternehmen weltweit.

Inflation als Risiko

Am 30. Juni hatte der Fonds einen Gesamtwert von 11,67 Billionen Kronen (1,11 Billion Euro). "Aktienbeteiligungen trugen am positivsten zur Rendite im ersten Halbjahr bei", sagte Nicolai Tangen, Chef im Norges Bank Investment Management. Gelohnt hätten sich vor allem Investitionen im Energie- und Finanzsektor und in Technologieunternehmen.

Gleichzeitig warnte der Fonds-Chef jedoch vor den Folgen einer globalen Inflation. Weltweit steigende Preise könnten noch nie da gewesene Verluste nach sich ziehen. Denn Inflation könne letztlich zu viel höheren Zinsen führen. Dies wiederum würde das Portfolio des Fonds mehrfach treffen, sagte Tangen der Nachrichtenagentur Reuters.

Denn sowohl die Anleihen- als auch die Aktienmärkte würden belastet. Es könne zu Rückgängen im Wert des Gesamtportfolios kommen, "wie wir sie noch nie erlebt haben", so der Hedgefondsmanager.

Mehr als 14 Milliarden Euro investiert

Vor einem Jahr hatte der Fonds noch einen Verlust von knapp 18 Milliarden eingefahren. Im ersten Halbjahr 2020 hatte die Corona-Krise die Aktienmärkte einbrechen lassen und viele Wirtschaftszweige zum Erliegen gebracht. Im ersten Quartal 2020, als die Pandemie begann, betrug das Minus gar 130 Milliarden Euro.

Im Jahresverlauf konnte sich der Ölfonds aber wieder erholen. Am Ende stand unterm Strich ein Plus von 1,07 Billionen norwegischen Kronen, umgerechnet etwa 102 Milliarden Euro. Ganz überraschend kommen die neuerlichen Gewinne also nicht.

14,1 Milliarden Euro wurden im vergangenen Halbjahr aus dem Fonds abgezogen. 72,4 Prozent wurden in Aktien investiert, 25,1 Prozent in Anleihen, außerdem 0,1 Prozent in nicht börsennotierte Infrastruktur und erneuerbare Energie. Im April kündigte das norwegische Finanzministerium an, seine Anlagepolitik zu vereinfachen und künftig weniger auf kleine Unternehmen zu setzen. Auch bei Investitionen in Schwellenländer soll sich der Fonds zurückzuhalten.

Absicherung gegen Ölmarkt-Probleme

Norwegen legte den Fonds in den 1990er-Jahren auf, um die Wirtschaft gegen die Schwankungen bei den Ölpreisen zu schützen und die umfangreichen Leistungen des Sozialstaats zu finanzieren. Zudem fungiert er als Versicherung für künftige Generationen, wenn nicht mehr gebohrt werden kann. Er wird mit den Einnahmen aus der norwegischen Öl- und Gasförderung gefüttert, von der Zentralbank im Auftrag des Finanzministeriums verwaltet und investiert unter anderem in Großkonzerne wie Microsoft, Apple und Amazon.

Auch in Deutschland kommen aus verschiedenen Richtungen immer wieder Forderungen, dass die Rentenkassen stärker an die Kapitalmärkte angebunden werden sollten - etwa nach dem Schweden-Modell. Ein Teil des Bruttoeinkommens könnte so in eine gesetzliche Aktienrente fließen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 18. August 2021 um 17:42 Uhr.