Norwegische Kronen | picture alliance / photothek

Norwegen schreitet voran Erste große Zinserhöhung in Europa

Stand: 23.09.2021 15:24 Uhr

Die norwegische Krone ist eine der zehn am meisten gehandelten Währungen auf der Welt. Nun hat das nordeuropäische Land seinen Leitzins erstmals seit Beginn der Pandemie angehoben.

Weist die norwegische Notenbank großen Notenbanken wie der EZB und der Fed den Weg? Die norwegischen Währungshüter haben als erste große Notenbank der Welt ihren Leitzins seit Beginn der Corona-Krise angehoben. Der Leitzins steigt von null auf 0,25 Prozent, wie die Norges Bank heute in Oslo mitteilte. Notenbank-Chef Oystein Olsen stellte zudem eine weitere Zinserhöhung für den Dezember in Aussicht.

Zuletzt hatte die Notenbank im September 2019 den Leitzins angehoben, aber kurz nach Beginn der Pandemie im Mai vergangenen Jahres auf Null gesenkt. Der Aufschwung in Norwegen verläuft stärker, und die registrierte Arbeitslosigkeit liegt niedriger als von der Notenbank erwartet.

Inflation bei über drei Prozent

Bei der Entwicklung der Inflation ist das Bild hingegen uneinheitlich. Die Inflationsrate war zuletzt zwar auf 3,4 Prozent gestiegen. Allerdings sank die Kernrate, die schwankungsanfällige Größen ausschließt, auf 1,0 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2017. Die Notenbank strebt eine Rate von 2,0 Prozent an.

Volkswirtin Katharine Neiss vom Anleihemanager PGIM Fixed Income verwies im Anschluss an die Zinsentscheidung auf eine hohe Impfrate unter der erwachsenen norwegischen Bevölkerung, eine starke Erholung der Wirtschaftstätigkeit und eine niedrige Arbeitslosigkeit. In den vergangenen zehn Jahren habe die durchschnittlichen Inflationsrate in Norwegen bei rund zwei Prozent gelegen. "Es spricht also nichts dafür, die Wirtschaft heißlaufen zu lassen und Inflationsüberschreitungen zu tolerieren - wenn nicht sogar anzustreben -, wie dies in den USA und im Eurogebiet der Fall sein mag."

Die Aussicht auf eine weitere Straffung der Geldpolitik in Norwegen machte ich auch heute am Devisenmarkt bemerkbar. Die norwegische Krone profitierte gegenüber dem Euro. Die Gemeinschaftswährung rutschte im Tief um ein gutes halbes Prozent auf 10,06 Kronen. Damit setzt sich der langfristige Abwärtstrend des Euro gegenüber der Krone fort. Noch vor einem Jahr erhielt man für einen Euro mehr als elf Kronen.

Auch in den USA deuten die Zeichen immer mehr in Richtung straffere Zinspolitik. Die EZB hatte zuletzt angekündigt, ihre Anleihekäufe zu drosseln. In der EU haben kleinere Länder wie Tschechien und Ungarn die Zinsen angehoben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2021 um 12:00 Uhr.